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Streitbarer Publizist : Tilman Jens ist tot

  • Aktualisiert am

Tilman Jens (1954 bis 2020) Bild: dpa

Er war Journalist und Buchautor, für das Fernsehen drehte er mehr als hundert Features zu unterschiedlichsten Themen, meist kritisch und mit Wucht. Jetzt ist Tilman Jens im Alter von 65 Jahren gestorben.

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          Der Publizist Tilman Jens ist tot. Er starb am vergangenen Mittwoch im Alter von 65 Jahren nach langer schwerer Krankheit, wie der Anwalt seiner Familie am Montag mitteilte. Jens wurde 1954 in Tübingen geboren und lebte viele Jahre in Frankfurt am Main. Er arbeitete als Journalist, Fernsehautor und Buchautor.

          Gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Heribert Schwan veröffentlichte Jens 2014 das Buch „Vermächtnis - Die Kohl-Protokolle“. Das Werk über die Lebenserinnerungen Helmut Kohls brachte einen langen juristischen Streit mit sich. Als Fernsehautor arbeitete er regelmäßig für die ARD-Kultursendung „Titel, Thesen Temperamente“ des Hessischen Rundfunks. Nach Angaben seines Verlags verfasste er mehr als hundert Fernsehfeatures, darunter ein Porträt des Dirigenten Kurt Masur, eine kritische Dokumentation über christlichen Fundamentalismus oder die umstrittene Scientology-Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet und von ihren Kritikern als gefährliche Sekte angesehen wird.

          „Wie kaum ein anderer Kollege verstand es Tilman Jens, kulturpolitische Themen fernsehgerecht aufzubereiten. Besondere Bilder mit brillanter Sprache zu kombinieren, zeichnete ihn aus“, erklärte Schwan. Für ihn sei Jens „ein unbequemer Zeitgenosse, immer herausfordernd, aber mit viel Empathie. Bewundert habe ich seine charakterliche Geradlinigkeit und vor allem seine journalistische Leistungsfähigkeit und Qualität.“

          Der größte Fehler meines Lebens

          Jens besuchte die Odenwaldschule in Südhessen und studierte danach in Konstanz. Über das vom Missbrauchskandal erschütterte Internat schrieb er später das Buch „Freiwild“. Der Sohn des Intellektuellen Walter Jens und der Schriftstellerin Inge Jens setzte sich in zwei seiner Bücher auch mit seinem berühmten, an Demenz erkrankten Vater auseinander.

          Aufsehen erregte Jens, als er in den 1980er Jahren als Mitarbeiter einer Illustrierten zum Tod des Schriftstellers Uwe Johnson recherchierte. Um an Briefe und Tagebücher des Verstorbenen zu kommen, drang er damals in dessen leerstehende Wohnung ein. Einen Fehler, den er bereute, wie er später schrieb: „Das war Einbruch. Das war Diebstahl. Das war kriminell ... Ich wurde gefeuert, zu Recht... Ich habe einen kapitalen Fehler gemacht ... den größten, vielfach bereuten, doch unzweifelhaft begangenen Fehler meines Lebens.“

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