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Streit um Vergütung : Großangriff auf die VG Wort

Das kostet: Für Kopien zieht die VG Wort für ihrer Wahrnehmungsberechtigten Tantiemen ein. Die Frage ist: Wie lange noch?

Am Samstag kommt es im Hofbräukeller in München nun zum Schwur. Denn diejenigen, die das Modell der VG Wort stürzen wollen, werden in Mannschaftsstärke aufmarschieren. Die VG Wort hat zwar eine sechsstellige Zahl von Wahrnehmungsberechtigten, hatte bis vor wenigen Wochen aber ganze vierhundert ordentliche Mitglieder. Mitglied kann jeder Wahrnehmungsberechtigte werden, es kostet einen geringen Betrag, aber man kann es eben auch bequemerweise lassen – die Ausschüttung der VG Wort verändert sich nicht. In den letzten Wochen ist die Zahl der Mitglieder von rund vierhundert auf etwa siebenhundert angestiegen, allein in der Berufsgruppe der Journalisten haben sich rund hundert neue Mitglieder angemeldet. Das dürfte damit zu tun haben, dass die Vogel-Unterstützer dafür getrommelt haben, einzutreten und nach München zu fahren – um der VG Wort die Rote Karte zu zeigen und den Beweis dafür zu erbringen, dass eine entschlossene Minderheit eine Mehrheit schachmatt setzen kann. Bei der VG Wort wird in jeder Berufsgruppe einzeln abgestimmt, wer nur eine von ihnen dominiert, kann jeden Antrag zu Fall bringen.

Nicht einmal ein Pyrrhussieg

Was könnte passieren? Sollten die Verlage endgültig nicht mehr von der VG Wort profitieren, hätten sie keinen Grund, dabei zu bleiben. Sie könnten sich zu einer eigenen Verwertungsgesellschaft zusammenschließen. Die Buchverlage könnten in der Politik dafür werben, dass ihnen ein Leistungsschutzrecht zusteht, wie es die Presseverlage als Rechtstitel inzwischen haben, der sich bislang allerdings kaum durchsetzen lässt, etwa gegen Online-Konzerne. Die Buchverlage könnten darüber hinaus mit Autoren nur noch Verträge abschließen, in denen diese auf die ihnen über die VG Wort vertretenen Zweitnutzungsrechte verzichten. Die Buchverlage könnten auch in der VG Wort bleiben und diese könnte gezwungen sein, Verwertungsrechte nicht mehr pauschal zu bewerten, sondern in jedem Einzelfall anders auszurechnen, was angesichts der Zahl der Wahrnehmungsberechtigten eine Sisyphosaufgabe wäre.

Die VG Wort könnte indes auch zu einer reinen Autorenvereinigung werden. Ob deren Schlagkraft im Ringen um Nutzungstantiemen immer noch so groß wäre wie jetzt, da Autoren und Verlage – und die Gewerkschaften DJV, dju und Verdi übrigens auch – gemeinsame Sache machen, darf man bezweifeln. Die Geräteindustrie und alle anderen, die bislang an die VG Wort zahlen, könnten sich das jedenfalls ganz in Ruhe ansehen und auf die Idee kommen, dass sie seit je zu viel gezahlt haben und künftig weniger zahlen wollen. Was es auch nicht mehr gäbe, sind die Nebenleistungen, welche die VG Wort satzungsgemäß erbringt. In der wissenschaftlichen Sektion haben sich die Verlage zum Beispiel darauf geeinigt, dass ein Teil ihrer Einnahmen in einen Druckkostenzuschuss für besonders aufwendig gestaltete Werke geht. Einen Sozialfonds für in Not geratene Autoren betreibt die VG Wort ebenfalls.

Wäre das ein Sieg für die Autoren? Es wäre nicht einmal ein Pyrrhussieg. Das Ergebnis der Umwälzung, die der VG-Wort-Gegner Martin Vogel anstrebt, der an das deutsche Patent- und Markenamt, um die Drohkulisse zu erhöhen, gerade zwei mahnende offene Briefe geschrieben hat, in denen er davor warnt, die VG Wort könne etwas Illegales tun, wird die Zerstörung der hiesigen Verlags-Autoren-Landschaft sein. Niemand wird davon einen Nutzen haben außer jenen, bei denen die VG Wort seit 1958 für die Nutzung geistigen Eigentums in gedruckter Form Abgaben eintreibt. An diesem Samstag wird es sich im Hofbräukeller zu München entscheiden.

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