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Streit um Suhrkamp : Endspiel

  • -Aktualisiert am

Im juristischen Streit um die Zukunft des Suhrkamp-Verlags zwischen Hans Barlachs Medienholding und der Familienstiftung ist letzterer ein großer Schritt gelungen: Sie darf nun doch bei der Entscheidung über den Insolvenzplan mitstimmen.

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          Der Konflikt der Suhrkamp-Gesellschafter ähnelt einer nicht enden wollenden Schachpartie. Die Möglichkeiten von Sieg und Niederlage ergeben sich ständig aufs Neue, wie beim Kampf der Großmeister – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Suhrkamp-Auseinandersetzung zwischen der Familienstiftung der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und der von Hans Barlach geführten Medienholding nicht mit einem Remis enden kann.

          Denn in dieser Partie wird alles oder nichts gespielt. Barlach, der glaubte, mit seinem Frontalangriff von Türmen und Springern die Dame des Gegners zu bezwingen, wurde vom Oberschiedsrichter OLG Frankfurt jetzt darüber belehrt, dass seine Spielzüge auf dem falschen Schachbrett vollzogen wurden. Das Gericht machte den Mitgesellschafter Barlach darauf aufmerksam, dass sein gesellschaftsrechtlicher Angriff auf die gegnerische Familienstiftung ins Leere läuft.

          Barlach hatte verkannt, dass das bei Suhrkamp eingeleitete Insolvenzverfahren die Regeln für die Schachspieler grundlegend verändert. In seinem Feldzug gegen den Insolvenzplan des Verlags hatte Barlachs Medienholding in Frankfurt ein Urteil erstritten, dass der Familienstiftung die Teilnahme an der Abstimmung bei der Gläubigerversammlung am 22. Oktober untersagte. Dadurch hätte sich für Barlach die Chance eröffnet, das Insolvenzverfahren zu stoppen.

          Barlachs Argumentation, dass seine Anteile durch die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft quasi enteignet würden, ist das OLG Frankfurt nicht gefolgt. Deshalb hat das Gericht die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil vom 10. September einstweilen eingestellt. Obwohl damit die erstinstanzliche Entscheidung nicht insgesamt aufgehoben wurde, ist der Hinweis des Oberlandesgerichts, „dass das angefochtene Urteil voraussichtlich keinen Bestand haben kann“, ein Indiz dafür, wie die Sache ausgehen wird.

          In der Gesamtauseinandersetzung mit der Medienholding ist das fraglos ein großer Erfolg für die Familienstiftung. Damit sind alle bisherigen Erfolge von Barlach Makulatur geworden, sofern sie darauf zielten, von außen in das Insolvenzverfahren einzugreifen. Dies folgt aus der Argumentation des OLG, dem Insolvenzrecht einen grundsätzlichen Vorrang gegenüber dem allgemeinen Gesellschaftsrecht einzuräumen.

          So könnte sich die Suhrkamp-Schachpartie nun doch ihrem Ende nähern. Dem Vorhaben, am 22. Oktober in der Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zuzustimmen und ihn wirksam werden zu lassen, ist der Verlag jedenfalls ein großes Stück näher gekommen. Denn nach dieser Entscheidung kann die Familienstiftung nun doch wieder in ihrer Gläubigergruppe mitstimmen und ihre Mehrheit von 61 zu 39 Prozent durchsetzen. Mit diesem Schachzug hätte der Verlag die Partie wohl insgesamt gewonnen.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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