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Streit um Islam-Unterricht : Freiheit und Bindung im religiösen Bekenntnis

  • -Aktualisiert am

Bin ich ein Pilger? Und wer bin ich überhaupt? Grundfragen schon im Grundschulunterricht, hier in Hannover, noch vor der muslimischen Religionslehrer-Ausbildung Bild: dapd

Soll die Lehrerlaubnis islamischer Religionslehrer in den Händen von Funktionären liegen? Worüber die muslimischen Verbände mit dem Münsteraner Professor Khorchide streiten.

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          Wer Religion an staatlichen Schulen oder Theologie an Hochschulen lehren will, braucht dafür eine Erlaubnis der katholischen oder evangelischen Kirche oder neuerdings auch muslimischer Glaubenswächter. Das verlangt das Grundgesetz. „Ich würde diese Lehrerlaubnis am liebsten abschaffen“, sagte aber kürzlich Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er hält eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Lehrkräfte gegenüber muslimischen Stellen für sinnvoller als eine „amtliche Beurteilung“ durch sie.

          Die im „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“ (KRM) zusammengeschlossenen Verbände wollen jedoch die „Gesinnungsprüfung“, so Khorchide. „Die Lehrerlaubnis verleiht ihnen mehr Mitspracherecht, mehr Macht.“ Eine ebenso deutliche Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Vorsitzende des Koordinationsrats, Bekir Alboga, erklärt gegenüber dieser Zeitung: „Khorchide zerstört die nötige Vertrauensbasis mit uns.“ Aiman Mazyek, ein anderer Verbandssprecher, warnt: „Khorchide redet und schreibt nicht wie ein Islamlehrer.“

          Die Professoren bangen um ihre Unabhängigkeit

          Also der falsche Mann auf einem bekenntnisgebundenen Lehrstuhl, ein zweiter Fall Kalisch? Der war Khorchides Amtsvorgänger, der vor fünf Jahren auf Druck der Verbände seine Funktion als Verantwortlicher für den islamischen Religionsunterricht aufgeben musste, nachdem er die historische Existenz des Propheten Mohammed geleugnet hatte.

          Angesichts der aktuellen Entrüstung über Khorchide reiben sich Sachkenner allerdings die Augen. Was der Religionspädagoge jetzt in ein paar Sätzen meinte, hat sein Erlanger Fachkollege Harry Harun („der Erleuchtete“) Behr schon voriges Jahr in der „Zeitschrift für die Religionslehre des Islam“ ausführlicher begründet. Kurz gesagt, kritisiert Behr die offizielle Lehrerlaubnis (Idschaza) am Beispiel Niedersachsen als Ausdruck von „Misstrauen statt Zutrauen“ in die Hochschulabsolventen. Sie müssen ihre Eignung vor einem „Beirat für den Religionsunterricht“ glaubhaft machen, der sich aus Verbandsfunktionären etwa der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) zusammensetzt. Behr spricht von der „Ironie, dass ausgebildete Experten“, seine Schüler, „dabei in die Abhängigkeit von virtuosen Laien geraten“.

          Mouhanad Khorchide: Der Islamwissenschaftler lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und spricht sich gegen eine „Gesinnungsprüfung“ für muslimische Religionslehrer aus

          An Rhein und Ruhr hängt die Lizenz ganz ähnlich von einem Bewerbungsgespräch vor einem religiösen Gremium beim Schulministerium ab, für Hochschullehrer von einem Beirat an der Uni. Die Kandidaten müssen ihre „religiöse Bindung“ etwa durch eine überzeugende Auslegung von Zitaten aus dem Koran oder anderen Vorschriften nachweisen. Dabei befürchten Khorchide wie Behr schnell Übergriffe in ihr eigenes professorales Revier. In ihrer Selbstverteidigung werden die muslimischen Uni-Theologen allemal von den christlichen Amtskollegen unterstützt. Tatsächlich maßen sich die Kirchen bei ihrer „Unterrichtserlaubnis“ keine Nachprüfung von richtigem Fachwissen an.

          Auf Seiten der Verbände reagiert man pikiert

          Die tiefe Enttäuschung der islamischen Glaubenswächter über Khorchide hängt nicht zuletzt mit seiner „Absichtserklärung“ zusammen, die er im Jahr 2010 vor der Übernahme in den Hochschuldienst unterschrieben hat. Darin bekennt er sich zu einer „engen Kooperation mit den Verbänden“, ausdrücklich auch mit den Beiräten. Dafür bekam er vom Koordinationsrat der Muslime die erforderliche Lehrerlaubnis.

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