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Fuldaer Bischofstreffen : Revision – wie bitte?

Leib Christi in Brotgestalt: Umkämpftes Mysterium des Glaubens Bild: dpa

Was theologische Argumente wiegen: Der Streit um die Eucharistiegemeinschaft spitzt sich zu. Die Strategien reichen dabei von Begriffstutzigkeit bis Agitprop.

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          Nein, es gebe keinen Grund, das zu revidieren, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, dem Journalisten Benjamin Leven, als der ihn gestern in Fulda gefragt hatte, ob es bei der Ankündigung bleibe, beim nächsten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt gegenseitige Einladungen zu Abendmahl und Eucharistie auszusprechen, oder ob es da Revisionsbedarf gebe. Keinen Grund zur Revision? Das ist in der kategorischen Feststellung erstaunlich, seit in dieser Angelegenheit ein römisches Veto im Raum steht. War das Bätzings Fanfarenstoß, um seine Rolle als braver Moderator von Debattenbeiträgen zu verlassen und als deutscher Bischof Rom die Stirn bieten zu wollen?

          Möglich ist auch, dass ihn dieser Typ Frage überrascht hat. Im kirchlichen Betrieb ist das eigentlich keine Kategorie: Revision. Man legt stattdessen auf Kriterien wie Augenhöhe, Wertschätzung und Beianderbleiben Wert, wie die einschlägigen Vokabeln lauten. Da gilt schon die Frage nach einem Revisionsbedarf als unziemlich. Im Konfliktfall einigt man sich darauf, dass es offenbar verschiedene „Wahrnehmungen“ (Bischof Bätzing) gibt. Die tragen als Wahrnehmung ihren Wert in sich, der jeden Revisionsanspruch für obsolet erklärt. Meine Wahrnehmung, deine Wahrnehmung, und gut ist. So ist der jahrhundertelange Wahrheitswahnsinn endlich zur Stilfrage entschärft.

          Deutschland nicht nur bikonfessionell

          Das Brisante an dieser Fuldaer Epistemologie: Wenige Stunden zuvor war ein Interview mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, dem Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, bekanntgeworden. Darin erklärte er im Gespräch mit der Zeitschrift „Herder Korrespondenz“, dass man den jüngsten Einspruch der römischen Glaubenskongregation gegen eine solche Eucharistiegemeinschaft nicht einfach als Debattenbeitrag aus Rom abheften könne. Es sei, so der vatikanische Ökumeneminister Koch, für ihn „ohnehin schwer verständlich, wie man Wege der Eucharistiegemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten gehen will, ohne die Orthodoxen und Orientalen mit in das Gespräch einzubeziehen“.

          Auch Deutschland sei „heute nicht mehr einfach ein bikonfessionelles Land“, so Koch. „Die Präsenz der Orthodoxen und Orientalen hat zugenommen. Sie gleichsam bei einer derart entscheidenden Frage außen vor zu lassen, kann ich schwer nachvollziehen.“ Gefragt, ob es kirchenpolitisch vorstellbar sei, dass ein deutscher Bischof in Frankfurt trotzdem eine gegenseitige Einladung zu Abendmahl und Eucharistie unterstützt, antwortet Koch: „Ich hoffe, dass es nicht nur aus kirchenpolitischen Gründen nicht vorstellbar ist, sondern auch deshalb, weil die Bischöfe die vorgebrachten theologischen Bedenken ernsthaft erwägen und zur Überzeugung kommen, dass ein solcher Schritt in der heutigen ökumenischen Situation nicht möglich ist.“

          Wo sich die religiöse Glut verbirgt

          Tatsächlich ist seit gestern die detaillierte theologische Argumentation auch öffentlich zugänglich, die seitens der Glaubenskongregation gegen eine Eucharistiegemeinschaft im beschriebenen Sinne geltend gemacht wird. Welche Wahrnehmung sich am Ende durchsetzen wird, ist seit gestern offener denn je. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende scheint einstweilen auf methodologische Begriffsstutzigkeit zu setzen. Doch riskiert diese Strategie nicht ein hohes Frustrationsaufkommen, dann nämlich, wenn die so befeuerten Erwartungen am Ende doch nicht erfüllt werden sollten?

          Der Vorfall ist exemplarisch für das Muster eines Debattengeschehens, das seit nunmehr fünfzig Jahren unter dem Namen Kirchenreform die öffentliche Wahrnehmung des Christentums prägt. Schon bei der Würzburger Synode in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts debattierte man über Zölibat, das Weiheamt für Frauen und die Mahlgemeinschaft zwischen Protestanten und Katholiken. Seitdem the same procedure in Endlosschleife unter wechselnden Projektnamen, aktuell verbirgt sich die religiöse Glut unter dem Namen „Synodaler Weg“.

          Theologische Argumentation und Agitprop-Aktionen von Basisgruppen prallen aufeinander und blockieren sich gegenseitig. „Die Menschen hauen ab“, erklärt eine Vertreterin der Initiative Maria 2.0. Aber würden die Menschen bleiben, wenn – worauf etliche Reformanliegen hinauslaufen – sich der Katholizismus weiter protestantisiert? Eine gleichfalls offene Frage. Auch hier gibt es so viel Wahrheiten wie Wahrnehmungen.

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