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Strauss-Kahns Rückkehr : DSK Lation

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Strauss-Kahns Appartment in der Franklin Street Bild: dapd

Am Abend nach der Wende: Vor dem Haus in der New Yorker Franklin Street, in dem Dominique Strauss-Kahn in den letzten Wochen unter Hausarrest stand, liegen die Medien auf der Lauer. Um 22.14 geht plötzlich alles ganz schnell.

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          Wer sich am Freitagabend zufällig in die Franklin Street im New Yorker Stadtteil Tribeca verirrt hatte, was nicht leicht ist, weil sie sehr klein und unwichtig ist, und dort am Haus mit der Nummer 153 vorbeilief, konnte meinen, er sei mitten in Dreharbeiten geraten. Das Gebäude, ein zweistöckiges, wie ein Puppenhaus aussehendes Townhouse, dessen Rollos alle heruntergelassen waren, war von Scheinwerfern so hell angestrahlt, dass Passanten harte Schatten auf die Mauer warfen; ein paar Meter davor parkte ein Polizeiwagen, die Beamten waren ausgestiegen und lehnten sich dekorativ ans Nachbarhaus. Für die letzten Wochen war dies das Zuhause von Dominique Strauss-Kahn. 50.000 Dollar im Monat bezahlte seine Ehefrau Anne Sinclair für die Miete, dafür kann sich die Innenausstattung dann aber auch sehen lassen: Dachterrasse, Kamin, Gym, Privatkino, Wasserfall-Duschen, alles da.

          Am Abend des Tages, der eine spektakuläre Wende in jenen Fall brachte, zu dem sich jeder bereits seine Meinung gemacht hatte, haben sich etwa 25 Vertreter der Presse auf der Straßenseite gegenüber postiert. Es heißt, Strauss-Kahn und seine Frau hätten sich nach der Anhörung vor Gericht, die am späten Vormittag stattgefunden hatte, im Haus aufgehalten und es gegen 19 Uhr verlassen. Seitdem liegen sie hier auf der Lauer, ein Ohr meistens an einem Handy, in das einige stakkatoartiges Französisch sprechen, Stift oder Kamera griffbereit. Eine Spur von Ironie liegt in der Luft, als sei die Mehrzahl es nicht gewohnt, vor dem Haus eines Prominenten herumzulungern.

          Beschleunigte Schritte

          Ein französischer Radioreporter und ein Fotograf der „New York Times“ geraten in eine Diskussion über Kulturen. Dem Amerikaner will nicht in den Kopf, dass die Ehefrau von Strauss-Kahn von dessen Amouren, die ja nun vielleicht doch nicht verbrecherischer Natur sind, gewusst haben soll. „Sex addiction“, den Begriff gebraucht er wiederholt. Der Franzose spricht von Macht und Verführung, nennt Strauss-Kahn einen „womanizer“ und schickt ein warnendes Lachen hinterher. Auch einer Freundin von ihm habe Strauss-Kahn Avancen gemacht. Sie war dessen Studentin an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po, und irgendwann habe er ihr einleitungslos vorgeschlagen, ihn am nächsten Morgen um sechs Uhr in einem Hotel zu treffen. Sie habe non gesagt.

          Eine französische Fernsehproduzentin will plötzlich wissen, dass Strauss-Kahn in diesem Augenblick in Midtown beim Dinner sei, ein Italiener Ecke 61. Straße und 3. Avenue. Anrufe bei allen in Frage kommenden Restaurants ergeben Folgendes: Im „Scalinatella“ sagen sie: Wer? Wer soll das sein? Nein, sie glauben nicht, dass der da sei. Im „Isle of Capri“ gegenüber sagen sie: Ja, der ist gegenüber im „Scalinatella“. Da hätten Fotografen vor der Tür gestanden, und ein paar Gäste hätten es erzählt.

          Und dann, es ist 22.14 Uhr, geht alles ganz schnell. Ein Fotograf schreit „he’s coming!“, von irgendwoher ist ein Mann in einem dunklen Anzug vor der Tür der Nummer 153 aufgetaucht und schließt auf. Ein schwarzer SUV biegt in die Franklin Street. Wer jetzt nicht in Richtung Haus läuft, klettert mit seiner Kameraausrüstung auf ein Wagendach. Männer in schwarzen Anzügen öffnen die Autotüren, Anne Sinclair steigt aus, etwas Weißes elegant um die Schultern, auf der anderen Seite verlässt Dominique Strauss-Kahn den Wagen. Er ist klein und scheint keinen Hals zu haben. Die paar Schritte bis zum Haus wird er vom Rufen der Fotografen begleitet. Er dreht sich nicht um. Von hinten sieht es aus, als lächele er. Seine Frau beschleunigt ihre Schritte, und gemeinsam verschwinden die beiden im Haus. Durch die Tür ist hinten im Raum eine Traube bunter Luftballons zu sehen, die ratlos unter der Zimmerdecke hängt.

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