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Straßenleben : Frau im SUV

Es muss etwas für mehr Männer hinter dem Steuer von SUVs getan werden. Nicht wegen der Männer, sondern wegen ihrer Frauen auf hohem Fahrersitz.

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          Als vor einiger Zeit ein unschuldig stehender Kombi von einem SUV, zu Deutsch einer Geländelimousine, vorn plattgemacht wurde bei dem an sich verzeihlichen Versuch, das Teil vor einer Boutique rückwärts einzuparken, war das beinah komisch. Zumal es sich - „Huch!“ - um einen Wagen mit jenen Buchstaben auf dem Nummernschild handelte, die in der Urbanität gefürchtet sind.

          Seine Fahrerin hatte immerhin eine Mercedes-E-Klasse niedergekämpft. Auf der freien Wildbahn, also der deutschen Autobahn, gestalten sich solche Begegnungen in Raum und Zeit deutlich erfahrungsintensiver. Wer zuletzt dem Mir-gehört-die-Straße-Prinzip eines jäh auf die Überholspur ausscherenden Audi-Q7 nur knapp entkam, lächelt erst hinterher - beim Blick nach oben, wo die Frau mit Sonnenbrille am hohen Steuer stur geradeaus blickt.

          Blick von oben

          Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass die SUV sämtlicher Fabrikate sich in Form und Farbgebung unaufhaltsam einer gewissen Überraschungseihaftigkeit annähern: außen dunkel, innen beige bis écrufarben, mit zweifelhaftem Inhalt („für Kleinkinder unter drei Jahren nicht geeignet“). So kullern sie durch die engen Straßen der Städte und über Land, als gäb’s kein Morgen, gelenkt von Herrinnen einer kapitalintensiven Selektion, die für die da unten, die in Normalhöhe unterwegs sind, kein Mitleid kennen.

          Irgendeine Logik hierzulande scheint die Sport Utility Vehicles für solche Frauen am Steuer bestimmt zu haben, denen das Gefühl für Maß und Ziel abhandengekommen ist - und für die anderen Leute ohnehin. Der Gedanke, dass ihnen die Abmessungen von deutschem, amerikanischem oder japanischem Großblech bekannt sein müssten, ist da ausgeblendet qua Fahrersitzhöhe. Während jeder in die besten Jahre gekommene Mann weiß, was es heißt, sich aus einem Sportwagen beim Aussteigen über die Bordsteinkante zu hieven, scheint eine signifikante Teilmenge von Frauen die Dimensionen ihrer Fahrzeuge nicht begriffen zu haben.

          Kollateralschäden

          Beim Tanken vor ein paar Tagen war eine Mercedes-M-Klasse gerade dabei, sich angesichts der für sie offenbar viel zu schmalen Spur zwischen den Zapfanlagen mit dem rechten Vorderreifen über den hohen Randstein vor einer Benzinsäule zu hebeln. Warum eigentlich nicht gleich eine Vorderachse brechen und dabei eine Zapfsäule rammen, vielseitig sportiv? Bis ein Mann gegen die verdunkelte Frontscheibe hin schrie: Wie kann man denn so was machen?

          Die Fahrerin war schlicht auf ihrem direkten Weg zur Waschanlage, um dort einem normalen Auto zuvorzukommen. Ja, die Welt ist ungerecht - aus der Sicht derer, die oben sitzen. Aber es gibt einen Vorschlag zur Güte: mindestens fünfzig Prozent Männer hinters SUV-Steuer. Nicht, dass Männer von vornherein die besseren Autofahrer wären. Aber sie sollten eine Chance bekommen, es zu beweisen in diesen brachialen Kisten, die sie ihren Frauen bezahlen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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