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Strafantrag gegen Dieter Nuhr : Kabarett mit Pellkartoffeln

  • -Aktualisiert am

Der Kabarettist Dieter Nuhr, am 18, Oktober bei der Verleihung des Jacob-Grimm-Preises Deutsche Sprache“ in Kassel Bild: dpa

In Osnabrück gibt es nicht nur einen Mitbürger islamischen Glaubens, der im Kabarettisten Dieter Nuhr einen Hassprediger sieht und deshalb vor Gericht zieht, sondern auch zwei akademische Mitbürger, denen die Kategorien verrutscht sind. Ein Kommentar.

          Was ist ein Kategorienfehler? Der Soziologe Niklas Luhmann hat als Beispiel dafür einmal jemanden angeführt, der sich vornähme Pellkartoffeln anzubauen. Der Strafantrag, den gerade ein Mitbürger islamischen Glaubens aus Osnabrück, der dort eine Kampfsportschule betreibt, gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr gestellt hat, ist so ein Kategorienfehler.

          Denn was ist ein Kabarettist? Jemand, der Witze macht. Und was sind Witze? Übertreibungen, Einseitigkeiten, auf die Pointe getriebene Vor- und Schnellurteile. Wer sich durch Witze überpersönlich beleidigt sieht, weil sie blond oder er homosexuell ist, aus Ostfriesland stammt, ein politisches Amt, den Medizinerberuf oder den Polizeidienst versieht, betreibt emotionalen Pellkartoffelanbau.

          Witze sind weder Hasspredigten noch Handlungsaufforderungen, weder Parteiprogramme noch wissenschaftliche Abhandlungen. Weswegen aus Kabarettabenden, soweit wir wissen, auch noch nie Selbstmordattentäter herauskommen sind, auf sie noch nie Parteigründungen folgten und ihnen auch noch nie Forschungsberichte mit Widerlegungen entgegentraten.

          Weshalb ein pochenden Herz kein Maßstab ist

          Für Witze ist allenfalls ausbleibendes Lachen kritisch, auf sie antworten können nur Gegenwitze und das Kriterium dafür, ob das gelingt, wäre wiederum Lachen. Dem Osnabrücker Kampfsportfreund mag man dabei seine Begriffsverwirrung nachsehen. Es gibt Gerichte, um ihm zu erklären, weshalb ein pochendes Herz nicht der Maßstab dafür sein kann, ob eine Beschimpfung der islamischen Religion vorliegt. Den öffentlichen Frieden, der hierfür gestört sein worden müsste, schützen hierzulande nicht Lachverbote, sondern das geschieht unter anderem dadurch, dass sich die Bürger an für sie zumutungsreiche Meinungen anderer gewöhnen.

          Wer nicht persönlich verunglimpft wird, sollte sich nicht im Namen höherer Mächte empören. So geht der liberale Rechtsstaat. Ihn anzurufen, ist das gute Recht eines jeden, aber die Antwort im vorliegenden Fall liegt auf der Hand. Weniger Nachsicht hingegen verdienen Einlassungen, denen es ganz offen nicht um die Rechtsfrage geht, sondern darum, auf die Pauke zu hauen. Wenn etwa der Osnabrücker Islamwissenschaftler Bülent Ucar sich beschwert, der Komödiant Nuhr arbeite mit Verallgemeinerungen und interpretiere den Koran tendenziös. Denn das heißt, die Pellkartoffeln direkt auf dem akademischen Feld zu pflanzen.

          Dass Nuhr mit den Verallgemeinerungen seinem Beruf nachgeht, ist so klar wie dass er mit dem anderen, der Tendenz, nicht allein steht: In der islamischen Welt soll es, hören wir, ziemlich viele tendenziöse Interpretationen des Koran geben, darunter solche, die es nicht beim Interpretieren belassen. Womöglich sind Religionen sogar von der Art, dass es gar keine nichttendenziösen Deutungen von ihnen gibt. Noch absurder sind die Belehrungen, die Nuhr seitens des Migrationsforschers Klaus Bade (Osnabrück) erhält, er verwechsele „den Islam mit dem Islamischen Staat“, und das habe „in etwa so viel miteinander zu tun wie eine Kuh mit dem Klavierspiel“.

          Wenn das ein Scherz sein sollte, hat Bade Nuhr noch vor sich. War es eine ernst gemeinte Bemerkung über den Islam, Kühe und Klaviere, so enthält der Satz mehr Denkfehler als Substantive, und Professor Bade sollte unbedingt zum Seniorenstudium der Logik zugelassen werden. Erste Übung: Analysieren sie das Osnabrücker Sprichwort „Die dümmsten Pellkartoffeln werden von den größten Bauern geerntet.“

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