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Stierkampf-Verbot in Spanien : Dieses befremdliche Schauspiel

Man kann es nicht anders sagen: Der Spanier liebt den Stier - Wandrelief mit Stieren bei der „Corridas de toros las ventas”, Bild: Frank Röth

Die Spanier sagen: Wer den Stierkampf liebt, liebt vor allem den Stier und damit mehr als das blutige Schauspiel in der Arena. Aber ist das rituelle Töten eines fünfhundert Kilo schweren Tieres ein unveräußerliches Kulturerbe?

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          Eine Umfrage der Zeitung „El País“ ergab, dass eine deutliche Mehrheit der Gegner des Stierkampfs in Spanien dennoch dagegen ist, ihn zu verbieten. Ein kurioses Faktum. Man würde glauben, die „antitaurinos“ müssten ein Verbot begrüßen, wie es letzte Woche das katalanische Parlament in Barcelona für die vier katalanischen Provinzen aussprach (siehe Spanien: Sie sagten Stierkampf und meinten Madrid).

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Aber weit gefehlt. Viele Spanier empfinden Verbote nicht als angemessenen Umgang mit dieser alten Streitfrage. Schon päpstliche Bullen und königliche Erlasse haben im Lauf der letzten zweihundertfünfzig Jahre wenig bewirkt. Die Liebe des Volkes zum Stier war nicht kleinzukriegen.

          Auch in anderen Lebensbereichen gilt in Spanien: Gängelung ist schlecht, Druck von oben verachtenswürdig. Und welchen Sinn soll es haben, eine Aktivität zu verbieten, die in Katalonien zwar eine lange Tradition, aber nur noch eine winzige Gefolgschaft hat, so dass sich die seltenen Corridas auf eine einzige Arena beschränken, Barcelonas Plaza Monumental? Es fällt schwer, in der Entscheidung, die mit 68 zu 55 Stimmen getroffen wurde, etwas anderes zu sehen als eine trotzige Unabhängigkeitsgeste gegenüber der Fiesta nacional und der „spanischen Identität“.

          Was macht der Stier auf der Flagge, die Marta Domínguez nach ihrer Silbermedaille in Barcelona stolz präsentiert
          Was macht der Stier auf der Flagge, die Marta Domínguez nach ihrer Silbermedaille in Barcelona stolz präsentiert : Bild: AP

          Magst du die Stiere?

          Diese Identität, wo sie sich auf den Stier beruft, ist begrifflich schwer zu fassen und kann nur sekundär nachgewiesen werden, in gelehrten Büchern, in Geschichte und Volksbrauchtum, Malerei, Literatur, Film und Fotografie. Außerdem in kollektiven Wertvorstellungen. In der Gesetzgebung. In spanischen Gesten und Sprichwörtern. Im Landschaftsbild. Auf der Speisekarte. Wir Deutschen haben nichts Vergleichbares (was das Verständnis nicht unbedingt erleichtert). Was macht der Stier auf der spanischen Flagge, in die sich kürzlich die Hürdenläuferin Marta Domínguez nach ihrer Silbermedaille bei den Leichtathletik-Europameisterschaften hüllte? Und wie kommt der berühmte Sänger Plácido Domingo dazu, mit dem roten Umhang aus der Produktion von Verdis „Simon Boccanegra“ die Bewegungen eines Toreros zu vollführen - zur Begeisterung eines Madrider Opernpublikums, das ihn eine halbe Stunde lang immer wieder vor den Vorhang rief? Demonstrationen wie diese gab es in den letzten acht Tagen überall. Der Stier, so die Botschaft, gehört zu Spanien wie ... Aber es gibt keinen Vergleich. Selbst das Känguru ist für Australien nicht das, was der Stier für Spanien ist.

          Was aber ist er? Das Verlustgefühl erklärt noch nichts; es ist nur da. Am besten beginnt man mit einer wichtigen Differenzierung: dass der wahre Aficionado nicht den Stierkampf verehrt, sondern den Stier. Ohne Respekt vor dem toro bravo, dessen Züchtung im achtzehnten Jahrhundert einsetzte, geht es nicht. Man erfährt den Standpunkt seines Gegenübers übrigens nicht mit der Frage: Magst du den Stierkampf? Sondern mit: Magst du die Stiere? Eine ganze Welt ist damit gemeint, nicht allein die zwanzig Minuten in der Arena, in denen Blut fließt. Selbst einen schwerverletzten Matador wird man nicht schlecht von dem Stier reden hören, der ihm das Bein aufgeschlitzt hat. Die Verletzungsgefahr ist der Einsatz des Toreros, mehr ist dazu nicht zu sagen. Der Stier hat nur getan, wozu er gezüchtet wurde.

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