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Sterbehilfe : Das ärztliche Ethos bleibt intakt

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Die ärztliche Aufgabe der Sterbebegleitung endet dort, wo Beihilfe zum Suizid geleistet wird Bild: dapd

Kein Positionswandel der deutschen Ärzteschaft: Die überarbeiteten Grundsätze der Bundesärztekammer zur Sterbebegleitung stellen die Beihilfe zum Selbstmord nicht ins Belieben des Arztes. Eine Antwort auf Petra Gehring.

          7 Min.

          Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Würde und Selbstbestimmung, auch bei schwerer Krankheit und in der letzten Phase seines Lebens. Viele verstehen jedoch unter einem würdigen und selbstbestimmten Sterben lediglich die Tötung eines Menschen auf dessen Verlangen, die sogenannte „aktive Sterbehilfe“, oder die (ärztliche) Hilfe zur Selbsttötung. Derartige Vereinfachungen verfehlen das Problem und können zu seiner Lösung nichts beitragen.

          Viele Menschen haben heute Angst davor, die Ärzte könnten durch den Einsatz aller Möglichkeiten der modernen Medizin ihr Leben auch dort noch verlängern, wo dies von ihnen als qualvoll und sinnlos empfunden wird. Andererseits befürchten viele auch, dass die Ärzte angesichts immer knapper werdender Ressourcen ihre Behandlung vorzeitig aufgeben würden. Die ärztliche Tätigkeit bei Schwerstkranken und Sterbenden ist daher seit geraumer Zeit Gegenstand heftiger und teils sehr emotional geführter Diskussionen.

          Debatte um Sterbehilfeorganisationen

          Die Bundesärztekammer veröffentlicht seit 1979 Richtlinien, später Grundsätze genannt, zur ärztlichen Sterbebegleitung. Sie sollen Ärztinnen und Ärzten eine Orientierung bei ihrer schwierigen Aufgabe der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Patienten geben, indem sie die maßgebenden Grundsätze und Kriterien aufzeigen, die Art, Umfang und Grenzen der ärztlichen Behandlung am Lebensende bestimmen. Da sich sowohl die Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten der Medizin als auch die rechtlichen Vorgaben durch Gesetzgebung und Rechtsprechung laufend weiterentwickeln, sind diese Grundsätze immer wieder überarbeitet worden.

          Warum erfolgte gerade jetzt eine Überarbeitung? Die aktuelle Fassung der „Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung“ wurde im Februar 2011 veröffentlicht. Eine Überarbeitung der Grundsätze aus dem Jahre 2004 war notwendig geworden, nachdem der Gesetzgeber mit dem Dritten Betreuungsrechtsänderungsgesetz die Patientenverfügung, die Stellung des Patientenvertreters und das Gespräch zur Feststellung des Patientenwillens gesetzlich geregelt hatte. Auch hatte sich die Rechtsprechung zu den ärztlichen Aufgaben und Pflichten am Lebensende weiterentwickelt, nicht zuletzt durch wichtige Grundsatzurteile des Bundesgerichtshofs. Bei dieser Gelegenheit wurde der aus der Praxis vielfach geäußerte Wunsch aufgegriffen, die Grundsätze klarer zu strukturieren und präziser zu fassen. Angesichts der öffentlichen Debatte in den letzten Jahren, ob man die Tätigkeit von Sterbehilfeorganisationen wie „Dignitas“ gesetzlich verbieten soll oder ob es Ärzten in Deutschland erlaubt sein soll, Patienten beim Suizid zu unterstützen oder gar auf ihren Wunsch hin zu töten, bot die Überarbeitung zugleich Anlass, die Grundsätze auch in dieser Hinsicht noch einmal neu zu überdenken.

          Dialog des Arztes mit dem Patienten

          Die Struktur der Grundsätze und ihre Grundaussagen wurden beibehalten. Die Präambel fasst die zentralen Aussagen zusammen. Ausgangspunkt ist der allgemeine Konsens über die Aufgabe der Ärzte, Leben zu erhalten, Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern und Sterbenden bis zum Tod Beistand zu leisten. Daher besteht die Pflicht zur Lebenserhaltung nicht unter allen Umständen. Art und Ausmaß der Behandlung sind gemäß der medizinischen Indikation vom Arzt zu verantworten. Er muss dabei den Willen des Patienten achten. Bei seiner Entscheidungsfindung soll der Arzt mit ärztlichen und pflegenden Mitarbeitern einen Konsens suchen.

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