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Stephen Fry klagt an : „Gott ist total boshaft“

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Stets für eine herzhafte Kontroverse zu haben: Stephen Fry Bild: AFP

In einem Fernsehinterview zieht der britische Schauspieler und Autor Stephen Fry gehörig über Gott her. Dieser sei „ziemlich offensichtlich ein Irrer“, „total egoistisch“ und „böse“. Das entsprechende Video auf Youtube wurde millionenfach geklickt.

          Stephen Fry hat vor kurzem geheiratet, aber das Eheglück mit Comedian Elliot Spencer scheint den Mimen („Der Hobbit“) und Autor nicht weniger bissig gemacht zu haben. Bei einem Auftritt in der Fernsehshow „The Meaning of Life“ des irischen Fernsehsenders RTÉ One hat der stets meinungsfreudige Brite nun eine Breitseite gegen Gott abgefeuert. Im Interview mit Moderator Gay Byrne sagte Fry, Gott sei „ziemlich offensichtlich ein Irrer“, „total egoistisch“ und „böse“.

          In dem zweiminütigen Vorschauvideo auf die Sendung, das auf YouTube mittlerweile millionenfach angeklickt wurde, erregt sich Fry, der auf Twitter über acht Millionen Follower auf sich vereinigt: „Warum soll ich einen launischen, boshaften, dummen Gott respektieren, der eine Welt voll von Ungerechtigkeit und Schmerz erschaffen hat?“. Der Ausbruch folgt auf die Frage Byrnes, was er Gott sagen würde, wenn er, Fry, vor der Himmelspforte stehe. Dieser darauf: „Ich würde sagen: Knochenkrebs bei Kindern? Was soll das? Wie kannst du es wagen?“ Auf die spöttische Bemerkung Byrnes, ob er glaube, auf diese Art in den Himmel zu kommen, entgegnet Fry: „Ich würde gar nicht wollen. Nicht unter diesen Bedingungen.“

          Auf die Frage, wie ohne Schöpfer die Wunder der Welt zu erklären seien, erwidert er mit einem drastischen Beispiel: “Ja, die Welt ist wundervoll, aber in ihr gibt es Insekten, deren ganzer Lebenszyklus darin besteht, sich in die Augen von Kindern einzunisten und sie blind zu machen. Sie fressen sich durch die Augen nach außen. Warum?“ Fry weiter: „Es ist offensichtlich, dass Gott monströs ist. Vollkommen monströs, er verdient nicht den allerkleinsten Respekt. In dem Moment, in dem man ihn sich aus dem Kopf schlägt, wird das Leben meiner Meinung nach einfacher, klarer, lebenswerter.“

          Jesus und der Dalai Lama

          Dass Fry der Vorstellung von Gottheiten dennoch nicht gänzlich abgeneigt ist, wird deutlich, als er auf die antiken Religionen zu sprechen kommt. Wenn er sterbe, und Pluto, Hades und die zwölf griechischen Götter warteten im Jenseits, hätte das größere Anziehungskraft für ihn. Die Griechen hätten wenigstens nicht behauptet, die Götter wären weniger menschlich in ihren Launen und Neigungen. In einem späteren Abschnitt des Interviews nennt er außerdem Papst Franziskus eine „total bewundernswerte Persönlichkeit“ und Jesus eine „gute Seele“, auch wenn er viel „Nonsens“ erzählt habe, „ein bisschen wie der Dalai Lama“.

          Der bekennende Atheist Fry hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch zu Fragen der Religion und des Glaubens geäußert. 2009 diskutierte er mit dem liberalen Publizisten Christopher Hitchens, der konservativen Politikerin Ann Widdecrombe und dem nigerianischen Erzbischof Onaiyekan die Frage, ob die katholische Kirche eine positive oder negative Rolle in der Welt spiele. Die Zuschauer wählten die Kritiker Hitchens und Fry zu den Gewinnern der vielbeachteten Debatte. Deren verspätete Fortsetzung auf den einschlägigen sozialen Medienkanälen droht jetzt allerdings unübersichtlich zu werden.

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