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Konzertsaalbau am Ostbahnhof : Münchner Verzug

Hier soll der neue Konzertsaal gebaut werden. Gibt es doch noch eine „Elbphilharmonie an der Isar“? Bild: dpa

Der geplante Bau des neuen Konzertsaals in München verzögert sich um mindestens ein halbes Jahr: Die zunächst abgelehnte Bewerbung des Architekten Stephan Braunfels muss neu geprüft werden. In den Behörden wird es unruhig.

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          Eile war geboten. Und zwar von ganz oben. Als die Bayerische Staatsregierung am 8. Dezember 2015 beschloss, der neue Konzertsaal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks solle hinter dem Ostbahnhof erbaut werden, lautete das entscheidende Argument, das Projekt könne dort am schnellsten realisiert werden, schneller als in der von Konzertgängern und Musikern favorisierten Stadtmitte, wo man Auseinandersetzungen mit Denkmal- und Naturschützern fürchtete.

          Nach anderthalb Jahrzehnten Konzertsaaldebatte sollte Zeitplanerfüllung die Leistungskraft bayerischer Verwaltung beweisen - im Kontrast zum Musikturmbau zu Hamburg. Finanzminister Söder verfügte: „Keine Elbphilharmonie an der Isar.“ Das Staatliche Bauamt schrieb einen Architektenwettbewerb aus, das Preisgericht, dem der Ministerpräsident und drei Minister angehören, sollte demnächst, am 18. Mai, einen Sieger küren. Dieser Termin ist nicht zu halten. Der Architekt Stephan Braunfels hat erreicht, dass seine abgelehnte Bewerbung um Zulassung zum Wettbewerb neu geprüft werden muss. Die Regierung verzichtet auf Rechtsmittel gegen den Beschluss der Vergabekammer Südbayern und nimmt eine Verzögerung in Kauf, die sich auf etwa ein halbes Jahr belaufen dürfte.

          Jetzt wird der Antrag von Braunfels geprüft. Wird er wieder abgelehnt, will Braunfels klagen. Wird Braunfels zugelassen, sind ihm fünf Monate für die Ausarbeitung seines Entwurfs einzuräumen, und bevor er abgibt, wird die Jury die anderen Entwürfe nicht sichten dürfen, um Anonymität zu wahren. Welche Panik das Verfahren der Vergabekammer im Bauamt auslöste, sieht man daran, dass eine Telefonkonferenz zur Nachbesserung der Begründung für die Nichtzulassung am 30. Dezember abgehalten wurde - einem Tag, an dem alle Behördengebäude in München gewöhnlich winterurlaubsbedingt verrammelt sind.

          Mit den Ergebnissen der Ad-hoc-Konferenz belegt die Vergabekammer die Willkür, mit der Braunfels vom Freistaat mitgespielt worden ist. Während der Baumeister der Pinakothek der Moderne in schöpferischer Ruhe seine Idee eines Konzertsaals zu Papier bringen kann, werden Woche für Woche Münchner Musikfreunde aus Hamburg heimkehren und von der Elbphilharmonie schwärmen. Viele von ihnen werden dem zustimmen, was der Sänger Bryn Terfel nach seinem Auftritt bei der Weihe des Hamburger Hauses in einer Münchner Zeitung äußerte: „Der Saal muss an einem schönen, ikonischen Platz stehen, damit er zum Wahrzeichen und zum Herzschlag einer Stadt werden kann.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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