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Psyche des Präsidenten : Leidet Trump?

Sind aufeinander angewiesen: Medienvertreter und der Präsident an Bord der Air Force One. Bild: AFP

Ob das, was Donald Trump so tut, noch normal ist oder nicht, das wird kein Psychiater beurteilen können – so lange sich der Präsident nicht selbst einweist.

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          Pathologisieren gilt nicht. Das hat der Psychiater Stefan Röpke klargestellt, als er gefragt wurde, ob Donald Trump therapiebedürftig sei. Röpke, der an der Berliner Charité den Bereich Persönlichkeitsstörung leitet, erklärte im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir Psychiater diagnostizieren eine Persönlichkeitsstörung erst dann, wenn der Betroffene auch selber leidet. Wir wissen nicht, ob der US-Präsident leidet.“ In der Tat wissen wir das nicht, Trump hat seinen Medical Record nicht veröffentlicht.

          Für Außenstehende sieht es ja so aus, als würde für Trump der Lustcharakter seiner Amtsführung überwiegen, was aber auch nur daran liegen mag, dass manche Psychen umso passionierter agieren, je mehr sie angefeindet werden. Wobei die Last, die halbe Welt and more gegen sich zu haben, so oder so nur unter sehr speziellen psychischen Voraussetzungen als Lustgewinn bilanzierbar sein dürfte. Krank ist Trump deshalb aber noch lange nicht. Röpke zeigt sich da einer Meinung mit seinem amerikanischen Kollegen Allen Frances (Autor des Bestsellers „Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen“), der sein Unverständnis darüber zum Ausdruck brachte, dass Psychiater in den Vereinigten Staaten in offenen Briefen vor Trump warnen. Es gehe nicht an, so Röpke, ohne professionell erhobene Befunde „einen ungeliebten Politiker mit Hilfe der Medizin absetzen zu wollen, so widersprüchlich und exzentrisch er auch agiert“. Zumal bei Trump die Dinge entschieden verwickelter sind als in einer klinischen Perspektive darstellbar.

          Ein geschlossener politischer Kreislauf

          Seine unter Psycho-Verdacht geratenen Exaltationen sind das Öl in seiner „fein abgestimmten Regierungsmaschine“ (Trump), deren Kohärenzbegriff erkennbar einer anderen Logik folgt als dem Bild von effektiv ineinandergreifenden Institutionen, welche ihn de facto doch durchlöchern. Kohärenz stellt sich für Trump dann ein, wenn er über die Gewalten Justiz und Medien hinweg (und womöglich gegen sie) direkt mit dem „Volk“ verbunden ist, als dessen Emanation er gleichermaßen zu diesem Volk spricht wie zu sich selbst. Ein geschlossener politischer Kreislauf, der die Einsprüche der juristischen und medialen Praxis immer schon absorbiert. Ihm, Trump, widersprechende Vertreter von Justiz und Medien sind deshalb nicht seine Feinde, sondern Feinde des amerikanischen Volkes (einschlägig hier Trumps Wortschöpfung „enemy of the American people“). Das hatte der Präsident schon in seiner Inauguralrede nahegelegt, als er die Leitlinie „America first“ als eine Art Hotline zwischen ihm und dem „Volk“ ausrief.

          Ein präsidialdemokratisches Amtsverständnis, das sich selbst als direkten Draht zum Volk stilisiert, ist permanent auf hemmende Kräfte angewiesen. Tatsächlich nehmen die Störmanöver von Justiz und Medien in der „America-first-Bewegung“ eine präzise definierte Funktionsstelle ein. Trump braucht diese spielverderbenden Gewalten als vermeintliche Feinde des Volkes, um sich gegen sie als Freund des Volkes profilieren zu können. Insofern sind beide Seiten, der Präsident und seine Feinde, darauf angewiesen, dass Justiz und Medien ihren Job machen. Setzt Trump nicht täglich neu seine Gegenkräfte frei? Man muss ihn nicht als Kandidaten für die Geschlossene diffamieren, um seinen geschlossenen amerikanischen Traum zerplatzen zu lassen.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

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