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Fragen an die Bronzezeit : Wer war Hammurapi?

WÜRDIGUNG

Was war wohl der größte Moment in Hammurapis Leben?

Brief Hammurapis an einen hohen Beamten
Brief Hammurapis an einen hohen Beamten : Bild: Picture-Alliance

Hammurapi hat insgesamt 43 Jahre lang regiert. Als er den Thron bestieg, war er der Herr eines vergleichsweise kleinen Reiches im mittleren Mesopotamien. Von seinem 30. Regierungsjahr an, begann er – zunächst mit wechselnden Verbündeten – in dem von Bürgerkriegen zerrütteten Mesopotamien einen Staat nach dem anderen zu belagern und zu erobern. Als er schließlich auch noch seine wichtigsten Verbündeten angriff und es ihm gelang, Babylonien unter seiner Führung zu einen, dürfte sich Hammurapi auf dem Höhepunkt seines Lebenswegs gesehen haben. In ihm muss sich nach und nach der Eindruck verfestigt haben, dass seine zielstrebige Eroberungspolitik nur deshalb von so großem Erfolg gekrönt war, weil in ihr sich ein göttlicher Heilsplan erfüllte. Hammurapi ließ daher verkünden, er sei von den Mächten des Himmels berufen, das verkommene Land in ein neues und besseres Zeitalter zu führen. Wie es scheint, hat er diesen Auftrag ernst genommen und tatsächlich versucht, „das Wohl der Leute“ wiederherzustellen, ihnen „sichere Stätten“ zu verschaffen und ihnen ein „Herrn zu sein, der wie ein leiblicher Vater für sie da ist“. Nach den langwährenden Bürgerkriegen, gelang es ihm tatsächlich, eine Friedenszeit einzuleiten, so dass die „Einwohner der Ortschaften auf grüner Aue lagern“ konnten. Darin liegt gewiss der größte Verdienst dieses Königs.

Sein größter Fehler?

Hammurapi hat es nicht vermocht, seine Nachfolge so zu regeln, dass die Einheit Mesopotamiens dauerhaft erhalten blieb.

Worin ist Hammurapi den Menschen im 21. Jahrhundert besonders nah?

In seinem Kodex verleiht Hammurapi seinem Wunsch Ausdruck, dass sein Wort dauerhaften Bestand haben und eine Autorität entfalten möge, der sich alle nachfolgenden Könige – wenn sie nur klug sind und über Intelligenz und Führungsqualitäten verfügen – freiwillig beugen. Wie Hammurapi selbst, der für sich in Anspruch nahm, dass ihm der Gott der Gerechtigkeit, „(unbestechliche) Rechtschaffenheit verliehen“ habe, sei diesen Fürsten Erfolg beschieden. Doch denjenigen, der Hammurapis Wort nicht achtet, es tilgt oder verdreht, sei er nun ein König oder eine beliebige andere Personen – so das in der Stele niedergelegte Vermächtnis – sollen alle schlimmen Flüche von Himmel und Erde treffen. Hammurapi sagt damit in den blumigen Worten des Alten Orients, dass Recht und Gerechtigkeit zeitlos sind und auch ein Herrscher sich den Regeln der Gerechtigkeit zu unterwerfen habe. In dieser Haltung ist er unserem Zeitalter besonders nahe.

Geriet Hammurapi in Vergessenheit?

Mit dem Untergang der Keilschriftkultur geriet auch Hammurapi in Vergessenheit. Der Ruhm des weisen und gerechten Königs lebte allerdings in der biblischen Gestalt des „weisen Salomo“ weiter.

Welche Erkenntnisse über Hammurapi und seine Zeit sind noch zu erwarten?

Da sich Tontafeln, seien sie gebrannt oder ungebrannt, über Jahrtausende hinweg mehr oder minder unbeschadet erhalten können, ist es durchaus möglich, dass in Zukunft weitere wichtige Erkenntnisse über Hammurapi und seine Zeit gewonnen werden. Der Grundwasserspiegel in Babylon, seiner Hauptstadt, liegt so hoch, dass bis heute die Siedlungshorizonte, die seiner Epoche angehören, nicht ergraben werden konnten. Dies mag sich irgendwann in der Zukunft ändern. Sollte man dann auf den Palast des Hammurapi mit keilschriftlichen Archiven und Bibliotheken stoßen, müssten wir wohl unser Bild von diesem großen altorientalischen König ergänzen und in manchen Teilen vielleicht auch modifizieren.

Die Fragen stellte Uwe Ebbinghaus

Prof. Stefan Maul rezitiert : So klingt Babylonisch: das Gilgamesch-Epos

Stefan Maul studierte Assyriologie, Vorderasiatische Archäologie und Ägyptologie an der Universität Göttingen. Seit 1995 ist er Ordinarius für Assyriologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seit 2004 leitet Maul die Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften “Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur”. 1997 wurde er mit dem Leibnizpreis für seine Forschungstätigkeit ausgezeichnet. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien.

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