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Fragen an die Bronzezeit : Wer war Hammurapi?

Wie war die Frau rechtlich gestellt?

In der Zeit Hammurapis besaß eine Frau die volle Rechts- und Geschäftsfähigkeit, sofern diese nicht durch das patriarchalisch geprägte Eherecht eingeschränkt war. In den zahlreichen uns erhaltenen Rechtsurkunden treten daher vor allem geschiedene Frauen, Witwen und Nonnen als Rechtssubjekte auf. Bei der Eheschließung, die nur Gültigkeit besaß, wenn darüber ein schriftlicher Vertrag aufgesetzt wurde, hatte der Mann seiner Frau ein urkundlich beglaubigtes Vermögen zu überreichen, das der Frau als Sicherung im Falle des Todes ihres Ehemanns dienen sollte. Die vom Brautvater geleistete Mitgift verblieb im Fall der Scheidung oder des Todes des Ehemanns bei der Frau. Die Ehescheidung konnte in der Regel nur der Mann veranlassen. Dabei wurde die Mitgift zurückgegeben und je nach Sachlage ein Scheidegeld gezahlt beziehungsweise die Frau mittellos verstoßen, wenn sie schuldig gesprochen wurde. Wenn sich eine Frau scheiden lassen wollte, musste sie ehewidriges Verhalten ihres Mannes nachweisen können.

Plastik eines Betenden, möglicherweise Hammurapi – Bronze und Gold
Plastik eines Betenden, möglicherweise Hammurapi – Bronze und Gold : Bild: Picture-Alliance

Wurden Hammurapis Gesetze befolgt (in seinen Briefen wirkt er viel pragmatischer als im Kodex)?

Im Kodex Hammurapi werden – in kasuistischer Form – in erster Linie besonders schwierige Fälle behandelt, die begründete Abweichungen oder Ergänzungen zu den gültigen Rechtsnormen darstellen. Die „Rechtssprüche“ exemplifizieren nicht zuletzt für Sonderfälle die allgemein bekannten und akzeptierten Rechtsnormen. Ein Sich-Berufen auf gesetzliche Bestimmungen war deshalb in der Hammurapi-Zeit nicht üblich und auch nicht notwendig. So überrascht es wenig, dass sich in den erhaltenen Rechtsurkunden der Hammurapi-Zeit keine eindeutigen Hinweise darauf finden, dass man sich explizit auf die Rechtssprüche des Königs berief. Allerdings zeigen nicht wenige dieser Urkunden, dass Richter und Gerichte ihre Urteile tatsächlich im Sinne der Regelungen des Kodex Hammurapi fällten, die namentlich für Schulung und Ausbildung von Richtern und hohen Verwaltungsbeamten von größter Bedeutung waren.

Wie lange galten Hammurapis Gesetze?

Die Rechtssprüche des Hammurapi wurden bereits zu Lebzeiten des Königs in Tontafelabschriften weitverbreitet und von angehenden Richtern und Juristen immer wieder studiert. Es war Hammurapis Wille, dass man in seinen Rechtssprüchen schon bald einen zwar mit seinem Namen verbundenen aber doch zeitlosen Entwurf umfassender Gerechtigkeit sehen würde, der zukünftigen Generationen zum Maßstab einer gerechten Ordnung dienen und – unabhängig von den jeweiligen, möglicherweise unerfreulichen Umständen der Zeit – die Möglichkeit eröffnen sollte, den Mächtigen vorzuhalten, wie denn ein wahrhaft gerechter König entscheiden müsste. Das in der Stele niedergelegte Vermächtnis des Hammurapi will, dass „für alle Zeiten“ die Könige, die kommen und gehen, „die Worte der Gerechtigkeit, die ich auf diese Stele geschrieben habe, wahren“, und nach dem Vorbild Hammurapis, angeleitet durch den Text der Stele, Recht schaffen, indem auch sie „aus ihrem Land den Schlechten und den Bösen herausreißen (und so) für das Wohl der ihnen anempfohlenen Leute sorgen“. Dieser Wunsch des Hammurapi ist insofern in Erfüllung gegangen, als sein Kodex über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder abgeschrieben, studiert und bewundert wurde. Die jüngsten uns bekannt gewordenen Abschriften stammen aus dem fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

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