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Fragen an die Bronzezeit : Wer war Hammurapi?

Die Sammlung von nahezu 300 „Rechtssprüchen“, die Hammurapi – versehen mit einem Prolog und einem Epilog – auf steinerne Stelen meißeln und in den Städten seines Reiches aufstellen ließ, umreißt exemplarisch die Form gerechter Herrschaft, die nach langen Jahren der Wirren und des Krieges eine neue und dauerhafte Zeit des Friedens begründen sollte. Die geschickt ausgewählten Rechtssätze zeigen beispielhaft, wie die öffentliche Ordnung gewahrt und wie im privaten Bereich komplizierte vermögens-, familien- und erbrechtliche Streitangelegenheit gelöst werden sollen. Hammurapi ist nicht der erste altorientalische König, der eine Sammlung von Rechtssprüchen veröffentlichte, auch wenn der Kodex Hammurapi der weitaus längste Text dieser Art ist, und auch die Rechtssprüche des Hammurapi sind einer schon lange zuvor bestehenden Tradition verpflichtet. Vergleichbare Texte kennen wir bereits aus dem 21. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Nach einer zermürbenden Zeit der Bürgerkriege wollte Hammurapi, als er Mesopotamien zu einem einzigen Reich geeint hatte, „wie der Sonnengott den Menschen aufgehen, um dem Land das Licht zu bringen“ sowie „Gerechtigkeit ... aufscheinen lassen, den Schlechten und den Bösen zugrunde richten, damit der Starke dem Schwachen keinen Schaden mehr zufügen kann“. In den bedeutenden Städten des Reiches aufgestellt sollten die Stelen mit den Rechtssprüchen des Königs nicht nur Hammurapis Zeitgenossen, sondern auch allen nachfolgenden Generationen die Möglichkeit eröffnen, an der weisen Rechtsordnung des Königs teilzuhaben. Der, dem Unrecht widerfahren war, sollte – so ist es in der Steleninschrift explizit gesagt – „die kostbaren Worte“ des Königs auf der Stele „nachlesen“ und erleichtert „aufatmen“ können, wenn er sich durch die Rechtssprüche des Hammurapi Klarheit über seine Rechtslage verschafft hatte. In dem jungen, mit Gewalt gefügten babylonischen Reich sollte eine Herrschaft, die darum bemüht ist, bedingungslos das Recht aller zu respektieren, helfen, auch in den eroberten Gebieten die Macht des neuen Königs zu festigen.

Wie wurde Ehebruch bestraft?

Wie der Mord, falsche Beschuldigung und Falschaussage in einem Mordprozess war auch der in flagranti ertappte Ehebruch mit der Todesstrafe belegt. Falls der Betrogene dies jedoch nicht einforderte, musste er den Ehebrecher mit dem Leben davonkommen lassen.

Die Stele des Hammurapi ist auch auf der Rückseite mit Keilschrift übersät.
Die Stele des Hammurapi ist auch auf der Rückseite mit Keilschrift übersät. : Bild: Picture-Alliance

Welches war die höchste Strafe?

Die höchste Strafe ist die Todesstrafe, die übrigens auch für schwere Eigentumsdelikte vorgesehen war. In diesem Zusammenhang sollte man aber wissen, dass die Stadtverwaltung dazu verpflichtet war, einen durch Diebstahl zustande gekommenen Schaden zu ersetzen, falls der Dieb nicht gefunden werden konnte. So galt im Alten Orient ein Diebstahl grundsätzlich nicht als Schädigung des Einzelnen sondern als Schaden, der der Gemeinschaft der Menschen zugefügt worden war.

Welche Rechte besaßen Sklaven?

Im Alten Orient war Versklavung zum einen die Folge von Kriegsgefangenschaft, zum anderen das Ergebnis von Strafrechtsprozessen, die aufgrund von nicht tilgbaren Schulden die Schuldknechtschaft verhängten. Der Besitzer eines solchen Sklaven besaß über ihn die volle rechtliche Verfügungsgewalt. Freilich hatte er nicht das Recht, ihn zu töten. Das Eigentumsrecht des Herrn war rechtlich geschützt, Sklavenhehlerei und Fluchthilfe standen unter Strafe. Schuldsklaverei versuchte man staatlicherseits durch Generalschuldenerlasse einzuschränken.

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