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Fragen an die Bronzezeit : Wer war Hammurapi?

Hammurapi und alle Fürsten seiner Zeit scharten Fachleute um sich, die den Göttern dargebrachte Opfer genau prüften, um darin Zeichen göttlichen Wohlwollens oder göttlichen Unmuts zu erkennen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Leber eines Opfertiers. Man war der festen Überzeugung, ein bestimmter Abschnitt auf der in zwölf Bereiche eingeteilten Leber liefere Zeichen, die Auskunft über zukünftige ökonomische Erfolge oder Fehlschläge geben konnten, während jeweils andere Segmente des Organs für die Zeichendeuter von Relevanz waren, wenn es beispielsweise um den Palast, die Sicherheit des Königs, die Versorgungslage des Landes oder um militärische Angelegenheiten ging. Die Eingeweideschau entwickelte sich zu einer komplizierten „Wissenschaft“ mit Tausenden von Regeln, die lange studiert werden mussten. Um eine Entscheidungshilfe zu erhalten, verbanden Gremien, die militärische Angelegenheiten oder Personalentscheidungen berieten, Tieropfer mit ganz spezifischen, anderweitig nicht zu klärenden Fragen, die man den Göttern gemeinsam mit dem Opfer vorlegte. Der aus den Eingeweiden herausgelesene „göttlichen Antwort“ kam hohe Autorität zu, die nicht ohne weiteres ignoriert werden konnte. Die Astrologie gewann in diesen Kontexten erst Jahrhunderte nach Hammurapi an Bedeutung.

Wie fand Nachrichtenübermittlung statt?

Hammurapi verfügte, wie alle Fürsten seiner Zeit, über eine Schar von Boten und Schnellläufern, die in kurzer Zeit keilschriftliche Briefe von einer Stadt in die andere und bis in den Iran, das heutige Syrien oder die Türkei expedierten. Sie wurden mit spezieller Nahrung und mit eigens für sie angefertigtem Schuhwerk ausgestattet. Die Tagesstrecken, die sie zurückzulegen hatten, waren genau festgelegt.

Wohin ging man aus?

Im Kodex Hammurapi ist die Rede von Schankwirtschaften, in denen man trinken, spielen und sich vergnügen konnte. Es war üblich, zum Monatsanfang dort ein Abonnement auf eine bestimmte Menge Bier zu erwerben, das im Laufe des Monats abgetrunken werden konnte.

Dieses königliche Spielbrett aus Ur stammt bereits aus dem Zeitraum von 2600 bis 2400 vor unserer Zeitrechnung.
Dieses königliche Spielbrett aus Ur stammt bereits aus dem Zeitraum von 2600 bis 2400 vor unserer Zeitrechnung. : Bild: Picture-Alliance

Gab es Schulen?

Selbstverständlich gab es Schulen. Kaufleute, Heiler, Eingeweideschauer, Priester und Verwaltungsbeamte richteten in ihren Häusern Unterrichtsstätten ein, in denen zunächst der keilschriftliche Elementarunterricht erteilt und dann weiteres berufsspezifisches Fachwissen vermittelt wurde. Die Ausbildung eines Gelehrten konnte viele Jahre dauern und die Lernerfolge mussten in regelmäßigen Examina nachgewiesen werden. Zahlreiche Schriftzeugnisse von Schülern und Studenten blieben erhalten.

Welches waren die größten Rätsel der Zeit?

Zeichendeuter und Eingeweideschauer waren sich sicher, dass sich in der gesamten Umwelt, im gestirnten Himmel und eben auch auf der Leber eines geschlachteten Opfertiers Hinweise finden ließen, die Rückschlüsse auf Zukünftiges zulassen. Die Gesetzmäßigkeiten der Zeichenhaftigkeit der Welt offenzulegen und in ganz unterschiedlichen Systemen wiederzuerkennen, war eines ihrer großen Forschungsziele. Die in Mesopotamien entstehende rechnende Astronomie ist ebenso ein Ergebnis dieser „Wissenschaft“ wie die bis heute wirkmächtige mesopotamische Astrologie sowie die heute vollkommen obsolet erscheinenden komplexen Lehren der Eingeweideschau.

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