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Fragen an die Bronzezeit : Wer war Hammurapi?

Die Babylonier hielten ihre Kultur nicht nur für die älteste und am höchsten entwickelte der Menschheit, sondern glaubten auch, dass Babylon im geographischen Mittelpunkt der irdischen Landmassen liege und zur Weltherrschaft bestimmt sei. Sie verehrten eine Vielzahl von Göttern, die jeweils die Kräfte der kosmischen Regionen (Himmel, Erde, Unterwelt), der Gestirne (Mond, Sonne, Venusstern), von Wind und Wetter, Liebe, Krankheit und Tod verkörperten. In jeder großen babylonischen Stadt wurde eine dieser Gottheiten ganz besonders verehrt. In Babylon war es Marduk, der babylonische Reichsgott und Götterkönig, dem der riesige Haupttempel der Stadt geweiht war, zu dem auch der sogenannte Turm von Babel gehörte.

Astrologische Tafel mit Keilschrift sowie der Darstellung einer Frau, eines Raben und eines Sterns
Astrologische Tafel mit Keilschrift sowie der Darstellung einer Frau, eines Raben und eines Sterns : Bild: Picture-Alliance

Über welche Erkenntnisse verfügten die Mathematik und Astronomie seiner Zeit in seiner nächsten Umgebung?

Vor allem die Mathematik war hochentwickelt. Aus der Zeit des Hammurapi kennen wir zahlreiche hochkomplexe mathematische Rechenaufgaben, bestimmt für die Gelehrtenausbildung, die sogar mit dem Prinzip arbeiten, das später als der „Satz des Pythagoras“ bekannt wurde. Auf der Grundlage der weitentwickelten Mathematik entstand in den Jahrhunderten nach Hammurapi die rechnende Astronomie, die im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung die beobachtende Astronomie nach und nach ergänzte und ersetzte.

Mathematische Kenntnisse waren im Umfeld des Königs unverzichtbar. Denn große Bauprojekte, das reibungslose Funktionieren von flächendeckenden Bewässerungsstrukturen und die mit der Nahrungsproduktion und -verteilung entstehenden Planungsarbeiten waren nur dann von Erfolg gekrönt, wenn die damit verbundenen logistischen Aufgaben zuvor mit rechnerischen Mitteln modelliert worden waren.

Was vermochte die Heilkunde der Zeit?

Die Heilkunde der Zeit Hammurapis war hochentwickelt. Keilschrifttexte zeigen, dass Samen, Blätter, Wurzeln und Früchte von zahlreichen Arzneipflanzen, von Mineralien und tierischen Produkten zu Tränken, Pillen und Einläufen, zu Tampons und Zäpfchen, zu Salben, Pflastern und Kompressen, zu Räucher- und Gurgelmitteln und zu Badezusätzen verarbeitet und zur Heilung einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt wurden. Es galt nicht nur in einem Studium profundes Wissen um Arzneipflanzen und ihre Wirkung zu erwerben. Ein mesopotamischer Heiler der Hammurapi-Zeit musste in einem sakramental zu nennenden Akt auch den „bösen Kräften“ mit dem heiligen Wort göttliche Macht entgegensetzen und den erkrankten Menschen mit seinem Göttern wieder versöhnen können.

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