https://www.faz.net/-gqz-nwuq

Stasi-Kontakte : Springer darf Wallraff nicht „IM“ nennen

  • Aktualisiert am

Streitet Stasi-Mitarbeit ab: Günter Wallraff Bild: AP

Nach einem Urteil des Hamburger Landgerichts darf Günter Wallraff nicht als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM) bezeichnet werden. Dem Springer-Verlag fehlen dafür die Beweise.

          1 Min.

          Der Autor und Enthüllungsjournalist Günter Wallraff darf nicht als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM) bezeichnet werden. Das hat das Hamburger Landgericht am Freitag entschieden.

          Wallraff hatte Zeitungen des Axel-Springer-Verlags in einer einstweiligen Verfügung untersagt, den Begriff „Stasi-IM Günter Wallraff“ zu verwenden. Den Widerspruch des Verlages gegen die Verfügung lehnte das Gericht jetzt ab.

          „Springer muß Beweise bringen“

          Nach dem Gesetz sei es Pflicht der Springer-Blätter, die behauptete Stasi-Mitarbeit Wallraffs zu beweisen, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Buske. „Dieser Nachweis ist nicht erbracht.“

          Die Kammer habe zahlreiche Dokumente der Staatssicherheit eingehend geprüft. „Letztlich hat kein Dokument belegen können, daß Wallraff willentlich oder wissentlich für die Stasi tätig gewesen ist.“

          Die Stasi-Unterlagen-Behörde hatte im September 2003 bekannt gegeben, Wallraff sei von der Staatssicherheit für den Zeitraum von 1968 bis 1971 als Inoffizieller Mitarbeiter „IM Wagner“ registriert gewesen. Der Enthüllungsjournalist will in dieser Zeit lediglich journalistisch in der DDR gearbeitet haben.

          „Beispiellose Kampagne“

          „Das Urteil ist ein voller Erfolg“, damit sei bestätigt, „daß es keine aktive, bewußte Zusammenarbeit Wallraffs mit der Stasi gab“, erklärte Wallraffs Anwalt Helmuth Jipp am Freitag nach dem Urteil. Jipp warf den Springer-Zeitungen „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ eine „in der deutschen Pressegeschichte beispiellose Kampagne“ gegen den Schriftsteller vor.

          Im Sommer vergangenen Jahres hatten die Springer-Zeitungen Wallraff vorgeworfen, als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Stasi-Auslandsspionage gearbeitet zu haben. Sie waren in der so genannten „Rosenholz"-Datei auf einen „IM Wagner“ gestoßen, mit dem Wallraff gemeint war.

          Weitere Themen

          Der beste aller Zuhörer

          Zum Tod von Werner Düggelin : Der beste aller Zuhörer

          Traumfänger und Beichtvater: Er zauberte seinen Figuren Gegenwelten, die sie sich selbst kaum vorzustellen trauten. Nun ist der Schweizer Theaterregisseur Werner Düggelin im Alter von neunzig Jahren gestorben.

          Schlafen mit offenen Augen

          Frauenstimmen aus dem GULag : Schlafen mit offenen Augen

          Höllische Schule des Überlebens: Monika Zgustova sprach mit Frauen, die als politische Häftlinge in sowjetische Straflager kamen. Fast alle bezeugen, Bücher, Poesie und Schönheit hätten sie gerettet.

          Topmeldungen

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Frankreichs Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch nichts deutet darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt. Am Abend werden 16 Hafenmitarbeiter festgenommen.

          Wirtschaftswunder Weiden : Von der Zonengrenze zu „Star Wars“

          Weiden galt lange als Oberzentrum einer strukturschwachen Region. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Oberpfalz nicht mehr „Zonenrandgebiet“. Mit Corona und Donald Trumps Abzugsplänen droht nun aber neues Ungemach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.