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Städtebau : Von nun an ging's bergab

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Letzter Rest der Frankfurter Altstadt: Der 1595 erbaute Treppenturm „Zum Prinzen Carl” Bild: Helmut Fricke F.A.Z.

Frankfurt liebt, wie derzeit alle deutschen Städte, wieder historische Bauten. Doch wenn es ernst wird, siegt Pragmatismus. Das Ergebnis bürokratischer Zuständigkeitsquerelen ist Fassadenkosmetik, die sich mit dem Gütesiegel des Historischen schmückt.

          Wie viele Treppentürme hatte Frankfurts Altstadt vor ihrem Untergang? Zwanzig? Dreißig? Genug jedenfalls, dass Bildbände diese Wundergebilde der Gotik und Renaissance in Serien präsentierten. Als die Bomberpiloten des Zweiten Weltkriegs und die Sprengmeister des so genannten Wiederaufbaus ihr Werk vollbracht hatten, standen noch drei: das offene Renaissance-Oktogon von 1627 im Innenhof des Römer, das man aus seinen geborstenen Einzelteilen wieder zusammengesetzt hatte; der durch einen glücklichen Zufall unversehrt gebliebene Renaissanceturm des „Schönborner Hofs“ in der Töngesgasse am nördlichen Altstadtrand und ein dritter, der aus dem Schutt des einstigen Patrizierhofs „Zum Prinzen Carl“ ragte. Ihn schonte man 1952 beim Bau eines Altenheims, ersetzte die verbrannte geschweifte Schieferhaube durch einen grazilen Dachpavillon und integrierte den Torso in den Neubau.

          Er wurde zum Geheimtipp unter Frankfurt-Liebhabern. Erst recht, nachdem der Schönborner Turm samt Torfahrt und dazugehörigem Barockhaus 1978 für den Neubau einer Sparkasse niedergelegt und als seltsam steriles Präparat wiedererrichtet worden war. Im Gegensatz dazu war der Carlshof ein verwunschener Winkel geworden: Durch ein Gittertor sah man in einen verschlossenen Garten, wo Insassen des Altenheims die Ruhe genossen. Drei sandsteinerne Arkaden, trapezoide Fenster und geschwungene vermauerte Portale im Obergeschoss schmückten den Turm. An den Resten der beiden Renaissancehäuser, in welche die Portale geführt hatten, zogen im Erdgeschoss zwei hübsche muschelförmige Wandbrunnen den Blick an. Wer gelenkig war, erspähte am geretteten Bogenportal des südlichen Hauses Kragsteine mit Masken, Voluten und der Jahreszahl 1595.

          Frankfurts „zweite Moderne“

          „Das Höfchen bildet eins der malerischsten Motive, die dahier gefunden werden können“, hatte um 1860 der Maler Theodor Reiffenstein notiert, der damals die Altstadt dokumentierte. Lange vergessen, scheint seine Begeisterung nun wieder Schule zu machen. Schließlich hat die Stadt unter allgemeinem Jubel beschlossen, zwischen Dom und Römer einige wertvolle Altstadthäuser zu rekonstruieren und mit adäquaten Neubauten zu ergänzen. Erwartungsvoll schaute man deshalb in der vergangenen Woche auf die Entwürfe zur Neubebauung des „Prinzen Carl“. Sie, so dachte man, würden den Treppenturm feiern, durch eine Restaurierung vielleicht, die Öffnung des Gärtchens zum angrenzenden intimen Platz an der romanisch-gotischen Leonhardskirche. Gesteigert wurde die Erwartung durch das Wissen, dass auf dem südlichen Nachbargrundstück Christoph Mäckler das „Leonardshaus“ bauen wird, ein Büro- und Wohnhaus, das in zeitgenössischen Formen die Umrisse der einstigen klassizistischen Uferhäuser und die Giebelbauten der Altstadt nachzeichnet.

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