https://www.faz.net/-gqz-9j11s

Gendergerechte Sprache : Der Hannoveraner muss weg

Die World Breeding Federation for Sport Horses hat sich zur Entscheidung der Stadt Hannover bislang nicht geäußert. Bild: dpa

Die Verwaltung der Stadt Hannover verordnet ihren Mitarbeitern den Gebrauch einer „geschlechtergerechten Verwaltungssprache“. Der Oberbürgermeister verspricht sich ein „wichtiges Signal“. Aber was wird aus dem Hannoveraner?

          1 Min.

          Der Hannoveraner ist ein Gebäck. Und ein Pferd. Und ein hannoverscher Bürger, ein Bewohner der Stadt Hannover oder der Region Hannover. Außerdem ist er ein Angehöriger des Hauses Hannover, ein Einwohner des ehemaligen Königreiches Hannover und ein Jagdhund, ein Schweißhund, um genau zu sein. Vor allem aber ist der Hannoveraner in unseren Zeiten, die nach gedankenlos zusammengeschusterten Gerechtigkeitssurrogaten und realitätsvernebelnden Egalitätssymbolen gieren wie eine vertrocknende Primel nach ein paar Regentropfen, ein Unding.

          Der Hannoveraner muss weg. So ist es beschlossen worden. Von wem? Von einigen Hannoveranern. Die müssen nun selber auch weg. Aber das ist nur gerecht, und um Gerechtigkeit geht es schließlich. Der Hannoveraner ist nämlich eine zum Himmel über Hannover schreiende Geschlechterungerechtigkeit. Das darf nicht länger sein. Deshalb hat die Verwaltung der Stadt Hannover beschlossen, ihren etwa elftausend Mitarbeitern den Gebrauch einer „geschlechtergerechten Verwaltungssprache“ zu verordnen. Dadurch werden Wähler zu Wählenden und Lehrerinnen zu Lehrenden. Im Rathaus der Stadt dürften hinter dem Rednerpult, das künftig Redepult heißen soll, nicht mehr Stadträte und Stadträtinnen stehen, sondern Ratende.

          Ob das dem Wählendenwillen entspricht? Die neue Verordnung sieht jedenfalls vor, dass städtische Formulare, E-Mails, Mitteilungen, Broschüren und Briefe nur noch genderneutral formuliert sein dürfen. Der Oberbürgermeisternde der Stadt verspricht sich davon ein „wichtiges Signal“. Aber was wird nun aus dem Hannoveraner? Dass die Wortendung maskulin klingt, können selbst Welfenprinzen und andere Jagdhunde nicht leugnen. Die WBFSH (World Breeding Federation for Sport Horses), die den nicht zuletzt wegen eines exzellenten Gangwerks und seiner hervorragenden Rittigkeit beliebten Warmblüter zu den meistgezüchteten Reitpferderassen zählt, hat sich bislang nicht geäußert. Die Gesamtzahl der Betroffenen in den Kategorien Gebäck, Pferd, Adel und Hund ist nicht bekannt. Für die etwa 535.000 Betroffenen der Kategorien Einwohner, Einwohnerinnen und Einwohnende, die bislang als Hannoveraner bekannt waren, zeichnet sich indes eine durchaus zufriedenstellende Lösung ab. Wir dürfen sie uns von nun als glückliche Menschen vorstellen, als in schönster Geschlechtergerechtigkeit in Hannover und im umliegenden Hannoverschen wesende Hannoverierende.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Was wollen die Nomaden Amerikas?

          Regisseurin Zhao im Interview : Was wollen die Nomaden Amerikas?

          Wird Chloé Zhao die erste Asiatin die einen Oscar für die beste Regie bekommt? Ihr Film „Nomadland“ ist eine Ode an den Überfluss der Natur und die Würde des Einfachen und gilt schon jetzt als großer Favorit für die kommende Preisverleihung. Ein Interview.

          Topmeldungen

          Wer wird die Wahl gewinnen? Der Volkswagen ID.3 ist einer der sieben Finalisten.

          Car of the year 2021 : Wählen Sie Ihren Favoriten!

          Der bedeutendste Preis in der Automobilbranche wird an diesem Montag vergeben. Wir wollen von Ihnen wissen, welches Ihr „Auto des Jahres 2021“ ist. Stimmen Sie ab.
          Ausgebrannt: Fluchtfahrzeug nach dem ersten Überfall im März 2018.

          Reemtsma-Entführer Drach : Der überschätzte Verbrecher

          Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach scheint ein Paradebeispiel für einen Mann, der das Verbrechen zu seinem Beruf gemacht hat. Ein „Superhirn“ oder „Mastermind“ ist er aber nicht – auch wenn er das wohl gerne wäre.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.