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Sprengung statt Feuerwerk : Aaaaah! Oooooh!

  • -Aktualisiert am

Zur Eröffnung der Commonwealth-Spiele soll die Sprengung der Türme am Horizont Glasgows ein Spektakel werden. Bild: AFP

Glasgow lässt geschichtsträchtige Hochhäuser in die Luft sprengen und macht ein Volksfest daraus. Welch Feuerwerk werden wir dann erst in London erleben?

          Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn die Sprengung von Hochhäusern – einst Symbolträger sozialer Zukunftsvisionen – als öffentliches Spektakel inszeniert wird? Jüngst versammelten sich Zehntausende von Schaulustigen, um zuzugucken, wie der Frankfurter Universitätsturm in sich zusammensank. Aus der Detonation dieses ungeliebten Stiefkinds der Moderne wurde ein Volksfest.

          Glasgow, die große viktorianische Industriestadt, die sich nach dem Niedergang der Werften durch einen gewaltigen Kraftakt wieder regeneriert hat, ist jetzt auf die makabre Idee gestoßen, ihren Erneuerungswillen zu demonstrieren, indem sie fünf Türme einer Wohnhochhaussiedlung aus den sechziger Jahren im Juli bei der Eröffnungsfeier der Commonwealth-Spiele in die Luft jagen möchte.

          Ein Turm bleibt für Asylsuchende

          Damit, so argumentieren die Veranstalter von Glasgow 2014, könne „möglichst viel herausgeschlagen werden“ aus einer ohnedies geplanten Demolierung. Nicht nur, dass die Sprengung eine „Feier“ des „Durchhaltevermögens“, der „echten Wärme“ und „des Ehrgeizes“ der Glasgower vor Millionen von Fernsehzuschauern darstelle. Man spare auf diese Weise auch das Geld fürs obligate Feuerwerk.

          Arbeiter überprüfen die Fassade der „Red Road Flats“. Trotz des miserablen Zustands soll einer der Türme bleiben.

          Die Geschichte der „Red Road Flats“ und die Entscheidung, einen der Türme, in dem Asylsuchende untergebracht werden, vorerst zu verschonen, obwohl die Gebäude längst als menschenunwürdige Behausung gelten, macht diese absonderliche Vorstellung von Unterhaltung noch unfassbarer.

          Gleich einer öffentlichen Hängung

          In den späten sechziger Jahren wurden 4700 Menschen aus den Slums von Glasgow in die Stahlbetontürme umgesiedelt, die damals, errichtet in den Kohlfeldern am nordöstlichen Stadtrand, als höchste Wohnhäuser Europas galten – und als Modell für modernes soziales Wohnen, bald aber als Inbegriff irregeleiteter städteplanerischer Utopien.

          Die schnell heruntergekommenen Plattenbauten sind Gegenstand von wissenschaftlichen Studien, Romanen und eines in Cannes prämierten Filmes gewesen. Nicht der Abriss wird in Frage gestellt, sondern das unsensible Spektakel, das einer öffentlichen Hängung gleiche. Der Bauboom in London dagegen soll der Stadt fast 250 neue Hochhäuser bescheren. Das wird ein Fest, wenn man sie in fünfzig Jahren in die Luft sprengt!

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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