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Sprachspiel : Der Weg zu Nollywood

  • -Aktualisiert am

Von Hollywwod zu Bollywood zu Nollywood: Die sprachliche Phantasie dieser Namengebungen führt vor Augen, dass Infantilismen hier anscheinend erfolgreich das Feld behaupten.

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          Bollywood: Unseres Wissens tauchte dieser Name zur Bezeichnung der indischen Filmindustrie, die sich auf Bombay konzentriert, in den neunziger Jahren auf. Es war großes Pech, dass just zu jener Zeit die betreffende Stadt einen anderen Namen bekommen hatte, nämlich Mumbai, weil man auf diese Weise den Entkolonisierungsbestrebungen Vorschub zu leisten gedachte, wobei „Bombay“ außer der Tatsache, dass der Name in die Zeit der Kolonisierung (frühes sechzehntes Jahrhundert) fiel, mit dieser sonst nichts zu tun hat, ja, im Gegenteil ausgesprochen erfreuliche Assoziationen weckt, denn es kommt vom portugiesischen bom bahia und heißt „gute Bucht“.

          Was nun „Bollywood“ betrifft, so wurde vor vielen Jahren in einem Reisebericht dieser Zeitung der Anschein erweckt, der Name habe wohl ganz einfach damit zu tun, dass es in der Stadt mehrere Videotheken gebe, in denen Hindi-Filme zu beziehen seien, die im ganzen Land und nicht nur in Bombay produziert werden. Aber damit würde man dem filmwirtschaftlichen Gewicht dieser Metropole wohl nicht gerecht, das sich ja erst vor einem Jahr wieder zeigte, als der Film „Slumdog Millionaire“ nicht weniger als acht Oscars bekam.

          Das „o“ muss bleiben

          Im Lichte dieses Erfolgs stellte sich jedoch abermals eine Frage, die vor Jahren und ebenfalls in dieser Zeitung gestellt wurde, nachdem die Umbenennung der Stadt beschlossene Sache war: „Sollte eines Tages etwa an die Stelle von ,Bollywood‘ die Bezeichnung ,Mullywood‘ treten?“ Man will es nicht hoffen; denn sonst würde man das bequeme, aber auch etwas einfallslose Wortbildungsmuster preisgeben, das es erlaubt, eine lustig klingende Variantenreihe von Wörtern aufzubauen, indem man einfach nur den ersten Buchstaben austauscht.

          Wissenschaftlich spricht man hier von einer paradigmatischen Beziehung der sprachlichen Zeichen, mit der sich allerdings auch nicht verdecken lässt, wie infantil sie ist. Denn eigentlich bedienen sich ihrer, außer vielleicht noch Lyrikern, nur Kinder und sagen dann etwa „Willy-Pilly“ und so weiter. Das o in allen Varianten, zu denen inzwischen auch ganz selbstverständlich „Nollywood“ gehört (für die Filmindustrie Nigerias), sollte also erhalten bleiben. Unabhängig davon, dass sich das Land eines Tages umbenennen könnte: „Nillywood“ wäre noch eine Spur dämlicher.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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