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Romanschreibende Schauspieler : Habt ihr denn nichts anderes?

  • -Aktualisiert am

So ein Roman schreibt sich kinderleicht, am iPad mit zwei Daumen: Axel Milberg bei der Vorstellung seines Romans „Düsternbrook“. Bild: dpa

Die Spitzentitel der Belletristikverlage sind zurzeit von Schauspielern verfasste Jugendbücher. Werden die romanschreibenden Fernsehstars die romanschreibenden Feuilletonisten demnächst endgültig ablösen?

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          So viel, wie derzeit über Führungswechsel in renommierten Belletristikverlagen diskutiert wird, fragt man sich bisweilen, welchen Spielraum die sogenannten „Programm-Macher“ überhaupt noch haben. Der Blick auf einige Spitzentitel ist da sehr aufschlussreich. Im aktuellen Frühjahrsprogramm bei Piper ist dies der Schauspieler Axel Milberg mit seinem fiktionalisierten Memoir – früher hätte man gesagt: Jugendbuch – „Düsternbrook“.

          Im jüngst veröffentlichten Herbstprogramm von S. Fischer kommt der belletristische Spitzentitel vom Schauspieler Ulrich Tukur: Es ist ein historischer Fantasy-Roman namens „Der Ursprung der Welt“ (hochgeprägter Schutzumschlag mit Goldveredelung). Große Werbekampagnen sind angekündigt, die Termine bei „Markus Lanz“ im Herbst stehen. Im Herbstprogramm bei Kiepenheuer & Witsch ganz vorn steht der Schauspieler Matthias Brandt mit einem „Coming-of-Age-Roman“ – früher hätte man gesagt: Jugendbuch – namens „Blackbird“.

          Mit zwei Daumen auf dem iPad getippt

          Die romanschreibenden Schauspieler sind anscheinend dabei, die romanschreibenden Feuilletonisten endgültig abzulösen (vielleicht sind die auch einfach bald alle ausgeschrieben). Im Hinblick auf Bestseller sind die berühmteren Schauspieler ohnehin vielversprechender, wie sich etwa an Christian Berkels Familienroman „Der Apfelbaum“ zeigte. Aber auch Tukur und Brandt haben bereits erfolgreiche Bücher, was man nun natürlich ausmelken will. Weitere Herbstprogramme stehen noch aus; Jan-Josef Liefers und Axel Prahl etwa hätten als Fernseh-Kommissare, die zudem wie Tukur nebenbei singen, noch Belletristik-Chancen. Oder wie wäre es mit Sabine Postel, Ulrike Folkerts, Nora Tschirner? Zumal sich so ein Buch anscheinend kinderleicht schreiben lässt, wie Axel Milberg jüngst verriet: Er habe seines „mit zwei Daumen“ auf dem iPad getippt, flott sei das von der Hand gegangen.

          Das einzige Verlagsprogramm, das hinter der beschriebenen Misere noch erkennbar ist, scheint die Spruchweisheit „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ zu sein. Nach ihrer Logik müsste demnächst Schriftsteller-Darsteller Ferdinand von Schirach anfangen zu singen (Chansons von Brel bis Leonard Cohen?) und der romanschreibende Chansonnier Sven Regener neuer Kommissar im Bremer „Tatort“ werden. Aber jetzt nochmal im Ernst: Liebe Verantwortliche der Literaturverlage, wer auch immer das in letzter Instanz sein mag, habt ihr denn nichts anderes? Und wenn das nächste Mal die Frage aufkommt, warum von manchen Lyrik-Bänden kaum tausend Stück verkauft werden: Schämt ihr euch wenigstens ein kleines bisschen, dass ihr offenbar nichts mehr daran ändern wollt?

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

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