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Spitzengastronomie : Das zweite deutsche Küchenwunder

Besser als hier kann man kaum irgendwo essen in Deutschland: Das Restaurant „Überfahrt“ von Christian Jürgens am Tegernsee. Bild: Althoff Hotels

Werden unsere Spitzenrestaurants die Corona-Krise überleben? Leisten wir uns den Luxus opulenter Menüs noch in Zeiten der Besinnung auf das Wesentliche? Viele befürchten das Schlimmste, doch gerade geschieht Unglaubliches.

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          Was würde die Kassandra der Kulinarik weissagen, wenn sie dieser Tage den drei Spitzenköchen Martin Fauster, Tristan Brandt und Nils Henkel begegnete, die in den Schlagzeilen waren, weil sie sich zusammen fünf Michelin-Sterne erkocht und sie allesamt verloren haben? Der erste hat nach längerer Schaffenspause gerade angekündigt, künftig eine bodenständige Regionalküche auf den Tisch bringen zu wollen. Der zweite hat in der Hochphase der Pandemie das großartige, von ihm geschaffene „Opus V“ in Mannheim mit unbekanntem Ziel verlassen. Und der dritte, einer der besten Köche Deutschlands, ist wie ein Strauchdieb von der Burg Schwarzenstein im Rheingau vertrieben worden. Er wird sich demnächst einer mediterranen Bistroküche widmen, während sein Nachfolger, ein bekannter Fernsehkoch, der am liebsten vor laufender Kamera herauszufinden versucht, welche Tiefkühlkost am wenigsten scheußlich schmeckt, die Burg in eine Brasserie verwandeln wird. Wenig mehr bliebe Kassandra übrig, als Corona zum Totengräber der deutschen Spitzengastronomie zu erklären.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Doch Deutschland ist nicht Troja und Corona kein Pferd, auch wenn das die Kassandras unserer Tage anders sehen. Christian Rach, als Restauranttester eine Fernsehgröße und als Koch gewiss kein Scharlatan, hält es für wahrscheinlich, dass ein Drittel der deutschen Gourmet-Restaurants die Krise nicht überlebt. Der Drei-Sterne-Großmeister Christian Bau glaubt sogar, dass es erst mit einem Impfstoff eine Rückkehr zum Normalbetrieb geben wird, weil bei den derzeitigen Auflagen ein Essen als episch inszeniertes Ereignis unmöglich ist. Und dass mehr als die Hälfte seiner Gäste aus dem Ausland kommt, viele davon aus Übersee, lässt ihn angesichts eines dauerhaft kollabierten Welttourismus auch nicht gerade frohlocken.

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