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Britische Spitzenuniversitäten : Die Elite ist nicht weiß

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Bild: dpa

Britische Spitzenuniversitäten werden oft für ihre soziale Exklusivität kritisiert. Doch die meisten Studienanfänger sind neuerdings nicht mehr weiß. Das hat vor allem ökonomische Gründe.

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          Britische Elitehochschulen wie Oxford, Cambridge oder Saint Andrew werden häufig dafür gescholten, die sozialen Eliten zu reproduzieren. Doch der Wirklichkeit hält dieser Vorwurf nicht Stand. Denn zum ersten Mal übersteigt jetzt die Zahl der ethnisch nicht-weißen Schulabgänger, die einen Platz an den Spitzenuniversitäten erhalten haben, diejenige der weißen. Statistiken zeigen zudem, dass 2021 zweiundsiebzig Prozent der chinesischen Bewerber einen Hochschulplatz an einer Elitehochschule bekommen haben.

          Damit haben sie auch die größte Erfolgsquote von allen Vergleichsgruppen an den führenden Universitäten. Die niedrigste Quote hatten die weißen Schulabgänger: Gerade einmal dreiunddreißig Prozent der Bewerber um einen Studienplatz bekam hier 2021 eine Zusage von einer Eliteuniversität. Überraschend sind die Nachrichten nicht. Diese Entwicklung ist seit 2005 zu beobachten. In Oxford wurden schon 2018 mehr Erstsemesterplätze an Bewerber aus Singapur vergeben als an Schulabsolventen aus dem Nordosten Englands.

          Studiengebühren zwischen 28.000 und 39.000 Pfund

          Die Universität gab an, diesen Schritt aus Diversitätsgründen unternommen zu haben. Trotzdem wurde sie für soziale Exklusivität kritisiert. Denn vor allem Bewerber aus asiatischen Ländern scheinen bevorzugt angenommen zu werden – nicht nur im Vergleich zu weißen, sondern auch zu anderen Minoritäten. Das hat vor allem ökonomische Gründe.

          Denn die Plätze in Cambridge und Oxford sind nicht nur begehrt, sondern auch teuer. Besonders viel Geld zahlen „Übersee“-Ausländer. Seit diesem Jahr zählen auch Studenten der Europäischen Union zu dieser Gruppe. Nicht-Briten müssen in Oxford jährlich Studiengebühren zwischen 28.000 und 39.000 Pfund aufbringen, Briten dagegen 9250 Pfund pro Jahr. Außerdem haben sie das Recht auf ein Darlehen von der britischen Regierung. Die bevorzugte Studienplatzvergabe an Studenten aus Übersee scheint also eher monetäre als moralische Gründe zu haben.

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