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Spezial : „Wahre Filme sagen uns, wer wir sind und wozu wir hier sind“

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„Bilder eines weisen menschlichen Seins werden Tausende von Jahren leben.” Liv Ullmann Bild: dpa

Welche Zukunft hat der europäische Film? Die Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann fordert in einem Gastbeitrag für FAZ.NET ein Kino nach menschlichem Maß.

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          Welche Zukunft hat der europäische Film? Hat er langfristig eine Chance, eine ähnliche Position auf den Weltmärkten einzunehmen wie das amerikanische Kino? Wenn ja, wird das eher mit Einheitsprodukten und Co-Produktionen möglich sein oder soll jedes Land, wie bisher, seine eigenen Filme drehen? Machen gerade die spröde Ernsthaftigkeit des deutschen Films, der Wortreichtum des französischen, der Humor des italienischen Films den Reiz des europäischen Kinos aus? Wo könnten in der Zukunft die Stärken des europäischen Films liegen? Zu diesen Fragen wird FAZ.NET in den nächsten Tagen in loser Folge Positionen veröffentlichen. Den Anfang macht die Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann. Sie erinnert sich daran, wie Filme, die sie sah, ihr Leben bereicherten und veränderten. Daraus leitet sie ein leidenschaftliches Plädoyer für ein „menschliches“ Kino ab und appelliert an Europas Filmemacher und Regierungen, sich der gesellschaftlichen Verantwortung des Kinos bewusst zu sein.

          Die Schöpfung eines Films ist für mich gleichbedeutend mit Leben, und mein Leben verschmilzt mit den Filmen, die ich sah: Es gibt keine Trennung.

          Das Kino ist einer der letzten Orte der Welt, wo wir Menschen ohne Furcht im Dunklen treffen können, völlig isoliert von jeder Ablenkung - und wo wir etwas mit anderen Menschen und zugleich alleine erfahren können. Zur selben Zeit.

          Szene aus Trolösa (Treulos), Liv Ullmanns jüngstem Film (sie führte Regie), der beim letzten Festival in Cannes von Kritik und Publikum gefeiert wurde.

          Wenn ich von Filmen spreche, dann spreche ich als Regisseurin, als Schauspielerin, als eine Person in einem Team von Film-Arbeitern, aber auch als Teil eines Publikums. Filme gehören uns allen - und beschreiben uns alle, die guten zumindest.

          Ich denke oft an die Filme meiner Kindheit zurück, an Fantasia, Bambi, an Vittorio De Sicas Filme, die russischen, die englischen, die amerikanischen, die polnischen und die tschechischen. Mit diesen Filmen wuchs ich auf, und die besten von ihnen waren vitaler Bestandteil meines Erwachsenwerdens. Sie waren die einzige Autorität, die ich außerhalb meines Elternhauses und meiner Schullehrer hatte.

          Bis ich 17 war, gab es kein Fernsehen im norwegischen Trondheim, und meine Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind mit den Filmen, die ich sah, durchtränkt. Ich erinnere mich an lange Schlangen, um Karten zu ergattern, an die Magie der Erwartung: Würde es genügend Karten geben?

          Ich erinnere mich auch an die unbeschreibliche Aufregung, den Klang eines Signals, dreimal war es zu hören, und dann wurde es langsam dunkel, und ich war allein im Kino, allein mit vielen anderen zur gleichen Zeit. Genau so langsam leuchtete die Leinwand auf. Ich fiel in diese Leinwand hinein, so wie Alice in den Kaninchenbau in eine Welt der Wunder fiel: Diese Welt wollte mich nicht etwas glauben machen, sie handelte von der Wahrheit, der Wirklichkeit des Lebens.

          Das Kino als Möglichkeit, Unbekanntes in sich selbst zu entdecken

          Natürlich ging ich ins Kino, um mich unterhalten zu lassen, obwohl ich es nie so ausgedrückt hätte. Ich glaube, ich ging dorthin, weil mich die Magie faszinierte. Ich wollte Teil einer Welt jenseits derer sein, die ich kannte, und ich wollte diese Welt verstehen. Ich wollte meinen eigenen Gedanken begegnen, Gedanken, von denen ich selbst nichts wusste, bevor die Leinwand sie wirklich werden ließ.

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