https://www.faz.net/-gqz-2le9
 

Spezial : Die DJ-Szene hat viele Hauptstädte

  • -Aktualisiert am

Herzstück mit hohem Puls Bild: @uf

Mit einem kurzen Überblick über Geschichte und Situation der Clubs in Deutschland eröffnet FAZ.NET eine Reihe zur Clubkultur.

          2 Min.

          In England gab es sie schon in den 70ern: Clubs mit einer ganz eigenen Art von Partykultur. Eigenwilliger Tanzstil, eine Musikauswahl, die sich nicht aus Publikumswünschen zusammensetzte, sondern jedem Club sein unverwechselbares Profil gab.

          1984 hatten die Wellen der englischen Clubkultur durch eine Reportage des Popmagazins „Spex“ schließlich Deutschland erreicht, und im Kölner „Soulful Shack“ gab 1985 - streng nach englischem Vorbild - erstmals nicht mehr das Publikum den Ton an, der die Musik macht. Die Menschen tanzten nach der Nase des DJs.

          Berlin: Verlagerung nach Friedrichshain

          Heute hat Berlin das mit Abstand breiteste Clubangebot in Deutschland. Neben dem „Tresor“, einem lebendigen Relikt aus der Blütezeit der Techno-Bewegung, gehört der WMF-Club zu den traditionsreichen Institutionen der Hauptstadt. Zur Zeit verlagert sich das Zentrum der Szene immer mehr nach Friedrichshain, wo sich mit dem „Maria“, dem „Casino“ und dem „Ost-Gut“ gleich drei Großclubs angesiedelt haben. Nicht zu vergessen das „Sternradio“ am Alexanderplatz, das wiederbelebte „103“ und das äußerst erfolgreiche „Cookies“.

          Frankfurt: Techno-Hochburg und ehemalige Produktionshauptstadt

          Frankfurt galt lange Zeit als Produktionshauptstadt. Das „Omen“ war der Tempel für die Techno-Jugend Mitte der 90er-Jahre. Mit ihm hatte sich DJ Sven Väth ein Denkmal gesetzt, bevor es 1999 mit einer legendären 24 Stunden-Party für immer geschlossen wurde. Nachfolgeclub für Jünger des prominenten DJs ist das „U-60311“ am Roßmarkt. Das musikalische Zentrum hat sich inzwischen an die Peripherie nach Offenbach verschoben, wo sich Clubs wie das „Robert Johnson“ mit einem House-lastigen Programm oder das etwas härter bespielte „Spectrum@MTW“ gleich nebenan etabliert haben.

          Hamburg: Zwischen Acid-Jazz und autonomen Clubs

          Vor allem in den 90er-Jahren stand Hamburg für seinen wohl bekanntesten Club, den „Mojo Club“ an der Reeperbahn. Er hatte ein äußerst erfolgreiches Modell gut abgehangener, Tanz-Jazz lastiger Clubkultur entwickelt und durch ein angegeliedertes Label und ausgeklügeltes Merchandising popularisiert. Auf der anderen Seite standen einige Off-Kultur-Modelle, die sich aus Punk- und Autonomnen-Strukturen speisten. Der „Golden Pudel“, weniger Club als inspirierender Hangout, und das „Hafenklang“ mit seinem Programm zwischen Drum'n'Bass und avanciertem Techno bilden ein heutiges Gegengewicht zum „Phonodrome“, Hamburgs Anziehungspunkt für Hochglanzhedonisten aus dem Umland.

          München: Clubkultur ausgelagert

          In München hingegen hat man einen Großteil der Club- und Partyszene im wahrsten Sinne ausgelagert. Im so genannten „Kunstpark Ost“ (der nun bald wieder umgesiedelt wird, nachdem er vor Jahren schon auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Riem beheimatet war) koexistieren Ballermann-Atmosphäre und Münchens Techno-Institution, das „Ultraschall“ - großräumig eingezäunt und bewacht. Weil er in der Innenstadt keinen passenden Raum finden konnte, ist DJ Hel gleich an den Chiemsee ausgewichen: Dort betreibt er seit kurzem die „Villa“, einen kleinen Club in Traunstein

          Köln: Bürokratische Untiefen

          Während in Hamburg und vor allem Berlin auf der Basis loser Sperrzeiten agiert wird und München seine Probleme aus den Augen geschafft hat, hadert man in Köln nach wie vor mit den Untiefen der Bürokratie - und rigoros angewendeten Gesetzen aus den 50er Jahren. Über die 90er Jahre hat sich entsprechend eine Partykultur ausgebildet, die an immer wieder neuen Orten zu kurzem Glück findet. Zwischen Lokalitäten wie dem „Filmhaus“ und dem „Art Theater“ teilt sich Kölns Partykultur bis heute die raren Plätze. Mit der Eröffnung des „Studio 672“ im Sommer 1998 hat sich ein Kreis geschlossen - zehn Jahre nach der Schließung des „Rave“ und ein Stockwerk unter jenem Raum, wo 1995 die letzte Fanfare des „Soulful Shack“ verklang.

          Topmeldungen

          Nach Wahlsieg für Tories : Der nächste Boris

          Sein Versprechen an die neuen Tory-Wähler ist auch eine Verpflichtung für Boris Johnson. Nach seinem fulminanten Wahlsieg könnte der britische Premierminister deshalb ganz anders daherkommen als gewohnt.

          „Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

          Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.
          Gelingt dem ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache die Rückkehr in die Politik?

          Zerreißprobe der FPÖ : Das Comeback des Heinz-Christian Strache

          Vor zweieinhalb Monaten erst verkündete Strache seinen Rückzug, doch nun könnte der frühere Vorsitzende die FPÖ aufspalten. Wie ihm die Rückkehr in die österreichische Politik gelingen könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.