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Spanisches Königshaus : Leonors Auftritt

Leonor, Prinzessin von Asturien, bei Ihrem Auftritt im Cervantes-Institut in Madrid Bild: dpa

Im spanischen Königshaus geht es allzu oft um Schadensbegrenzung. Jetzt gewinnt die fünfzehnjährige Thronfolgerin Leonor viele Sympathien zurück.

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          Anders als es in erregten Skandalgeschichten und deutschen Radiofeuilletons manchmal erscheint, ist die spanische Monarchie nicht in Gefahr. Ihr Ruf hat in den letzten Jahren nur schwer gelitten, fast ausschließlich durch das tumbe, oft wie Realsatire wirkende Verhalten des ehemaligen Königs Juan Carlos I., jenes Mannes also, der dem Königshaus überhaupt erst den Ruf einer modernen Institution verschafft hatte.

          Aber die historische Glanztat des damals Siebenunddreißigjährigen, der nach Francos Tod 1975 die Scherben der Diktatur zusammenfegte und wesentlich zur Errichtung der spanischen Demokratie beitrug, ist bei den Jüngeren in Vergessenheit geraten. Klammheimliche Elefantenjagden und diskret kassierte Millionen für Vermittlungsdienste in den Vereinigten Arabischen Emiraten wiegen schwer.

          Viele Politiker der Linken verspotten die Rolle des alten Königs bei der transición als monarchistisches Rechtfertigungsmärchen, das schon im Dunst der Frühgeschichte verschwinde. Sie können sogar eine echte historische Anomalie vorweisen: Denn zwischen 1931 und 1975 war die Monarchie in Spanien suspendiert. Der alte König Alfons XIII. war ins Exil geflohen, und der neue Herrscher hieß von 1936 an Francisco Franco.

          Erst beim Übergang zur Demokratie gelang es dem jungen Juan Carlos, sich selbst und die Linie der Bourbonen als Hüter des Parlamentarismus wieder in die Verfassung hineinschreiben zu lassen: Häutung vollendet. Mehr als vierzig Jahre später reiben alte spanische Republikaner sich die Augen und fragen sich, was das Repräsentationsspektakel im Königshaus überhaupt noch soll.

          Eine Jugendliche muss liefern

          So ruht in Zeiten des Plebiszits durch die sozialen Medien alle Beweislast auf Juan Carlos’ Nachfolgern: seinem nüchternen Sohn Felipe VI. – und der Kronprinzessin Leonor, die jetzt mit fünfzehn Jahren, zum dreißigjährigen Bestehen des Cervantes-Instituts, ihren ersten protokollarischen Solotermin wahrgenommen hat.

          Jetzt wissen wir: Auch in Spanien gibt es eine Prinzessin der Herzen. Wenn sie keinen Fehler macht! Wenn sie weiter so süß lächelt, selbst unter der Maske. Wenn sie zuerst an die Menschen denkt wie ihre Großmutter Sofía, zur Begrüßung die Hand aufs Herz legt und zeigt, dass sie es ernst mit dem Ding meint, das man früher einmal „Volksnähe“ nannte.

          Eine Fashion-Reporterin hat berichtet, Leonor, Prinzessin von Asturien, habe ihr schlichtes romantisches Rüschenkleid von Poète (sechzig Euro, seit langem vergriffen) bei ihrem Madrider Termin nicht zum ersten Mal getragen. In Spanien heißt das etwas. Es sei ein sicheres Zeichen dafür, schreibt die Reporterin, dass die Thronfolgerin nach ihrem Auftritt beurteilt werden wolle, nicht nach ihrem Outfit.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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