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Spanier probt Digitalaufstand : Der alte Mann und die Bank

Jetzt hört man ihm zu: Carlos San Juan De Laorden und die Ministerin Nadia Calvino. Bild: dpa

Carlos San Juan de Laorden hatte die Nase voll, von seiner Bank mies behandelt und immer aufs Digital-Banking verwiesen zu werden. Er probt den Aufstand. Hunderttausende stimmen ihm zu.

          2 Min.

          „Ich bin alt, aber kein Idiot“: Mit dieser wütenden Feststellung hat der achtundsiebzigjährige Spanier Carlos San Juan De Laorden einen Nerv getroffen, sich Gehör unter Politikern wie Managern verschafft und eine Gegenbewegung zum digital getriebenen, immer miserableren Service für Bankkunden wie ihn in Gang gesetzt. Fast 625.000 Unterschriften hat San Juan mit seiner an acht spanische Geldinstitute gerichteten Petition „Soy mayor, no idiota“ schon gesammelt.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          „Ich bin fast achtzig Jahre alt, und es macht mich sehr traurig zu sehen, dass Banken ältere Menschen wie mich vergessen haben“, schreibt der Rentner aus Valencia über seine Motivation. Was er konstatiert, kennen Kunden von Banken auch hierzulande bestens: Filialen schließen, Öffnungszeiten werden gekürzt, telefonische Anfragen gehen ins Leere oder verlaufen sich im Hotline-Labyrinth – und immerzu wird man, so San Juan, auf die App verwiesen, das Onlinebanking oder eine weit entfernte Geschäftsstelle.

          „Weder fair noch menschlich“

          „Das ist weder fair noch menschlich“, findet San Juan, oft sei es sogar demütigend. Er selbst komme als früherer Arzt noch vergleichsweise gut digital zurecht, doch wer in Onlinetransaktionen nicht firm sei und niemanden habe, der helfe, werde behandelt wie ein Trottel. Dabei sollte man Menschen, die sich nicht leichtfüßig durchs Internet bewegen können, genauso selbstverständlich einen leichten Zugang zum Zahlungsverkehr ermöglichen wie Personen mit Mobilitätsproblemen zu öffentlichen Gebäuden.

          Die Zustimmung ist gewaltig: Carlos San Juan De Laorden mit gesammelten Unterschriften.
          Die Zustimmung ist gewaltig: Carlos San Juan De Laorden mit gesammelten Unterschriften. : Bild: EPA

          Das Beispiel San Juans zeigt: Es lohnt sich, den digital Diskriminierten, die in Onlineöffentlichkeit kein Gehör finden, eine Stimme zu geben. Als seine Petition die Marke von 600.000 Unterschriften überschritt, überreichte San Juan diese symbolisch dem Wirtschaftsministerium und der Zentralbank in Madrid. Spaniens Ministerin für Wirtschaft und Digitales, Nadia Calviño, trat an der Seite des Rentners vor die Presse und verkündete, man werde bis Ende des Monats „effektive Maßnahmen“ beschließen, um die Situation für digital benachteiligte Menschen zu verbessern. Und Santander, das größte Geldinstitut Spaniens, sicherte eine Verlängerung der Öffnungszeiten um drei Stunden zu. Geht doch!

          „El País“ berichtet, dass Studien zufolge nicht nur die Rentnergeneration sich digital zurückgesetzt fühle, sondern rund ein Drittel der Bürger, etwa beim Zugang zu Dienstleistungen, Arbeitsangeboten oder staatlichen Hilfen. In Deutschland dürfte es nicht viel anders aussehen.

          Wenn Inklusion, Antidiskriminierung und Barrierefreiheit in anderen Bereichen mit so viel Verve eingefordert werden, warum nicht auch mit Blick auf die Kluft zwischen Menschen online und offline in unserer Gesellschaft? Ein Schlaglicht auf die Übermacht des Digitalen wirft freilich, dass San Juan seine Gegner mit ihren eigenen Mitteln schlagen musste. Ohne das Internet hätte seine Petition wohl kaum den von ihr errungenen Erfolg verzeichnet: Lanciert hat der Rentner sie auf der Onlineplattform Change.org.

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