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Spanische Architektur : Was sollen Gras und Moos auf Aluminium?

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Römisch-antiker Edelrost: Wie Periskope aus U-Booten lugen Nietos und Sobejanos Museumstürme aus dem Stadtpark von Luga. Bild: Klaus Englert

Römische Bastionstürme und fein geglättete Felsen: Spaniens Klima sorgte seit jeher für karge Landschaften und introvertierte Bauten. Die Museen der Architekten Nieto und Sobejano suchen als Synthese aus Architektur und Natur nach neuen Wegen.

          Vor zwei Jahren gewannen die Architekten Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto aus Madrid den renommierten Aga Khan Preis für das „Museo Madinat al-Zahra“ bei Córdoba. Die Auszeichnung wird in der Regel für Bauprojekte in der islamischen Welt vergeben. Dass diesmal eine Ausnahme gemacht wurde, liegt wohl daran, dass das unweit der archäologischen Ausgrabungsstätte Madinat al-Zahra eröffnete Bauwerk an die vor 1100 Jahren entstandene Kalifenstadt des Omayaden-Reichs auf spanischem Boden erinnert. Folgerichtig hob die Jury hervor, wie gekonnt in dem modernen Baukörper die arabische Bautradition der Patios wiederbelebt worden sei.

          Im galizischen Lugo bauten Nieto und Sobejano kürzlich das „Museo Interactivo de la Historia de Lugo“, das die römische Geschichte des Ortes sichtbar macht. In Córdoba hatten die beiden Madrilenen ihr Bauwerk aus Respekt vor der nahen Ausgrabungsstätte von Madinat al-Zahra in die Erde gesenkt, hier tieften sie das Museum ein, um den von mehreren Wohnblocks umgebenen Parque de la Milagrosa zu schonen. An diese Gemeinsamkeiten der Museumsprojekte denkt allerdings niemand, der sich zum ersten Mal im Museum in Lugo aufhält.

          Man muss weit außerhalb des historischen Stadtkerns suchen, bis aus der leicht abschüssigen Parkwiese verrostet wirkende Stahlzylinder auftauchen, die wie Periskope aus U-Booten lugen. Nachgebildet sind sie den runden Bastionstürmen der vollständig erhaltenen römischen Stadtmauer. Die in Höhe und Durchmesser variierenden Zylinder aus oxydiertem Cortenstahl dienen der Erschließung, Entlüftung und Versorgung mit Tageslicht.

          Analogie zum Museo Madinat al-Zahra

          Außer der Tieflegung gibt es eine zweite Analogie zu Córdoba: Die Strukturierung des Raumprogramms, ausgehend von drei Patios, die den zylindrischen Körpern angegliedert sind und natürliches Licht in die unterirdischen Räume strömen lassen. Zudem wirken sie als Strukturelemente, die sofort erkennbar machen, wo sich Café und Foyer, Haupteingang und Verwaltung befinden. Diese Innenräume wirken allerdings nur von außen gesehen als getrennt. Tatsächlich sind sie unterirdisch überraschend eng miteinander verbunden. Wer vom Parque de la Milagrosa hinabsteigt ins Museumsareal, dem bieten sich fließend verbundene, kreisrunde Ausstellungsräume, die mit den ebenfalls runden Patios harmonieren.

          Lugo als „Museumspark“ kommentierend, bezeugen Nieto und Sobejano mit der Auseinandersetzung der besonderen Gegebenheiten des Ortes und der Landschaft, aber auch dem deutlichen Interesse für Tektonik, wie sehr sie in der Tradition der spanischen Moderne verwurzelt sind. Genauso verhält es sich mit dem fast zeitgleich vollendeten Erweiterungsbau für das „Museo San Telmo“ im baskischen San Sebastián. Das bislang wenig bekannte Museum geht auf ein im 16. Jahrhundert errichtetes Dominikanerkloster zurück, das vor achtzig Jahren zum zentralen Stadtmuseum umgebaut wurde, mit Gemälde- und kunsthandwerklichen Sammlungen.

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