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Spaniens Kulturgüter : Geistige Nahrung

Hundert Experten haben abgestimmt, wer innerhalb der spanischen Kultur die größte Strahlkraft besitze: Silber holte sich Regisseur Pedro Almodóvar. Gold ging an den Koch Ferran Adrià - für seinen Beitrag zum Denken.

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          Wir haben es kommen sehen. Seit Jahren atmen wir seinen wachsenden Ruhm, auch wenn wir noch nie an seinem Tisch sitzen durften. Während die spanische Literatur stagniert, zeitgenössische spanische Komponisten ihre Werke vor vier Katzen aufführen und spanische Architektur nur weißer, spitzer, höher, teurer wird, ist der innere Reichtum dieses schönen Landes an unerwarteter Stelle zu neuer Blüte gekommen. Die Fundación Contemporánea hat mehr als hundert Kritiker, Museumsdirektoren, Kulturmanager und sonstige Experten dazu befragt, wer innerhalb der spanischen Kultur die größte Strahlkraft besitze, und die beiden Bestplazierten waren auf Rang zwei Pedro Almodóvar (dreißig Prozent), auf Platz eins der Küchenchef Ferran Adrià (vierzig Prozent).

          Da haben wir es. Einen „Dalí der Kochkunst“ hat man ihn schon genannt. Ein „Picasso des Brombeer-Granizado“ wäre die fällige Differenzierung. Adrià, der Zeremonienmeister des weltberühmten Restaurants „elBulli“, hat nicht nur akademische Ehrendoktorwürden eingesammelt, weil er „zum modernen Denken beigetragen und unser Verständnis vom Zusammenhang zwischen Kochen und Essen verändert“ habe, wie die Universität von Aberdeen vor zwei Jahren verlauten ließ, er verschmilzt alle Künste zu feinstem Glibber und leitet ihn zurück in die „künstlerisch-philosophischen Strömungen des zwanzigsten Jahrhunderts, vom Surrealismus bis zur Dekonstruktion“, wie abermals die Universität von Aberdeen sehr anschaulich schrieb.

          Wer kann ihn beerben?

          „Außergewöhnlich an ihm ist seine poetische Empfindsamkeit“, kommentiert Richard Hamilton, Herausgeber der bibliophilen Kostbarkeit „Food for Thought. Thought for Food“, ein dem Küchenkünstler gewidmetes Denkmal von 350 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen. „Was er tut, hat lyrische Qualität.“ Wer aber kommt nach ihm? Selbst wenn er sein Restaurant demnächst in eine „Denkfabrik der kreativen Gastronomie“ verwandelt, seine Werke werden geschaffen, serviert, verzehrt, verdaut und verschwinden schon bald im indifferenten Kreislauf des Rohen und Gekochten.

          Kann ihn irgend jemand im Reich des Kunstschönen beerben? Die Antwort kann nur lauten: die spanische Fußballnationalmannschaft. Sie steht nicht nur für Ballästhetik, Virtuosentum, Schönheit von Spielzügen und Toren, sie hat in Südafrika nun auch ihren ersten Stern bekommen. Fortan trägt sie ihn auf das Trikot genäht. Und kein Guide Michelin wird ihn ihr nehmen können.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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