https://www.faz.net/-gqz-9mc2v

Spanien vor den Wahlen : „Sie geben uns keine Stimme“

Plakat von Pedro Sanchez an der PSOE-Zentrale in Madrid. Bild: REUTERS/Susana Vera

Die Entscheidung, wer Spanien regieren wird, hängt am Sonntag an einer großen Zahl von unentschiedenen, vor allem jungen Wählern. Aber wenige wissen, was die jungen Spanier wirklich wollen – und kaum einer fragt.

          Eigentlich sind die Osterferien den Spaniern heilig. Semana Santa, das bedeutet Auszeit mit der Familie, raus aus der Stadt, gearbeitet wird nur, wenn es gar nicht anders geht. In diesem Jahr war die Atempause kurz und unruhig, das nervöse Treiben der Hauptstadt nur für einen Moment unterbrochen, schon Anfang der Woche saßen die Madrilenen wieder an den Tresen der Cervezerías und diskutierten. Bis am Sonntag ein neues Parlament gewählt, liegt die Angst vor dem Votum der Protestwähler über der Stadt.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die sozialistische Partei PSOE ist im Universitätsviertel Argüelles in einem unscheinbaren Backsteingebäude untergebracht. Im Falle eines Sieges würde der Balkon für den Gruß an die Menge fehlen. Draußen hängen Plakate, von denen das glatte, junge Gesicht von Pedro Sánchez, dem Spitzenkandidaten der Sozialisten, strahlt. Auf der anderen Straßenseite wird gepfiffen und gegrölt. Mehrere Hundert Mitarbeiter des Energieunternehmens Ence sind aus Galizien angereist, mit Schildern, auf denen „Sánchez, der Papagei“ steht, demonstrieren sie gegen die geplante Schließung einer Fabrik in Pontevedra. Ändern werde das nichts, sagt einer der Arbeiter, aber Lärm müsse man schon machen, wenn etwas Unrechtes geschehe. „Unter uns“, fügt er hinzu: Die Rechten hätten versprochen, es nach den Wahlen besser zu machen.

          Keine Aussicht auf ein stabiles Berufsleben

          Drinnen sitzt Omar Anguita in einem mit roten Kampagnenplakaten behangenen Raum und hakt Interviewtermine ab. Der Vorsitzende der Jugendorganisation der PSOE ist ein großer, schlanker 28-Jähriger mit der Fähigkeit, schnell viel zu sagen, ohne etwas zu riskieren. „Wir kämpfen jetzt um die verborgenen Wähler“, sagt er, um die Wankelmütigen ohne politische Überzeugung, die bei den Regionalwahlen in Andalusien im Dezember überraschend die rechtspopulistische Partei Vox ins Parlament holten. Es gehe nicht mehr ums Gewinnen, sondern darum, ob das Land vorankommen oder in den Rückwärtsgang schalten wolle. Mit dieser Botschaft war Anguita zuletzt in Sevilla, Barcelona und auf den Kanaren. Die letzten Termine vor der Wahl sind in Madrid. Wenn alles gut geht, wird am Sonntagabend nicht mehr demonstriert, sondern gefeiert.

          Omar Anguita, Vorsitzender der Jugendorganisation der PSOE, in der Zentrale seiner Partei.

          Wenn alles gut geht für Omar Anguita, erhält die PSOE am Sonntag 25 Prozent der Stimmen. Dann würde Pedro Sánchez voraussichtlich mit dem linksalternativen Bündnis Unidas Podemos koalieren. Wenn es schlecht läuft, reichen die Stimmen nicht für eine Mehrheit und die konservative Partido Popular (PP) könnte mit den rechtsliberalen Ciudadanos und Vox die Regierung stellen. 26 Prozent der Wähler, unter ihnen viele Jüngere, sind den Umfragen zufolge noch unentschieden. Die jungen Parteichefs haben für ihre Auftritte in den Fernsehdebatten der letzten Tage deshalb den giftigen Ton beibehalten, mit dem sie schon während der Kampagne die Zögernden zu erreichen versuchten. Mehr als die Hälfte derer, die zuschauten, waren zwischen 13 und 24 Jahre alt.

          Weitere Themen

          Ba-ba-ba-ba-Batman! Video-Seite öffnen

          Comic-Reihe wird 80 : Ba-ba-ba-ba-Batman!

          Wie in Gotham City wurde in Mexiko Stadt pünktlich um 8 Uhr abends das Batman-Symbol an ein Hochhaus geworfen. Viele Fans ließen sich das Spektakel zum 80. Geburtstag der Comic-Reihe nicht entgehen.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.