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Spanien : Respektlose Spottlust

  • Aktualisiert am

Bild: Maeva Ediciones

Alexander von Humboldt ist in der spanischsprachigen Welt ein Säulenheiliger, und in Lateinamerika begegnet man seinem Bildnis oder seinem Namen öfter als in Deutschland. Deutsche Erzählliteratur betrachtet man gemeinhin jedoch mit Skepsis.

          Alexander von Humboldt ist in der spanischsprachigen Welt ein Säulenheiliger, und in Lateinamerika begegnet man seinem Bildnis oder seinem Namen öfter als in Deutschland. Vorkenntnisse waren also vorhanden. Die spanische Ausgabe des Romans erschien unter dem Titel „La medición del mundo“ im November bei Maeva Ediciones. Dass sich keines der großen Verlagshäuser dafür interessierte, zeigt nur, mit wieviel Skepsis man deutsche Erzählliteratur gemeinhin betrachtet. Immerhin: Die Mehrheit der Rezensionen, von der ausführlichen Besprechung bis zum Buchtipp, findet den Roman „schön und intelligent“, wie es in der Zeitung „ABC“ heißt, die sich vor einer „subtilen Landkarte der Leidenschaften“ wähnt.

          Tiefere literaturkritische Einsichten sind allerdings kaum zu gewinnen. Der Roman sei „so intelligent wie unterhaltsam“, heißt es in einer Leseempfehlung des Sonntagsmagazins von „El País“. Deutlich ausführlicher zeichnet das Magazin „Historia y vida“ den historischen Hintergrund nach und befindet, Kehlmann fange glänzend das heterogene wissenschaftliche Klima des achtzehnten Jahrhunderts ein. Lustig wird es bei der spanischen Ausgabe von „Geo“, denn das Magazin glaubt allen Ernstes, der Roman stelle „ein vielsagendes Dokument über den Charakter der Deutschen dar“.

          Dass sich ein Romanautor aber nicht alles erlauben darf, was Spottlust und satirischer Sinn ihm eingeben, dafür streitet „La Vanguardia“, wo es heißt: „Das Buch ist schön und liest sich leicht.“ Moniert hingegen wird, die Figuren seien gelegentlich überzeichnet, und der Autor behandele die bedeutenden Namen der Geistesgeschichte mit mangelndem Respekt. Das sei schade, denn „einer der größten Forscher aller Zeiten“ habe eine „zärtlichere, menschlichere und psychologischere Annäherung verdient gehabt“.

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