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Spanien : Die Infamie

  • Aktualisiert am

Die Eta spaltet die spanischen Demokraten und treibt sie in erbitterte Auseinandersetzungen, die einen rationalen Umgang mit dem Terrorismus erschweren, wenn nicht unmöglich machen.

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          Es gab Warnungen. Es hieß: In der heißen Phase des Wahlkampfs wird Eta sich zu erkennen geben und wieder in die Politik eingreifen. Doch was nützen Warnungen, wenn kaum jemand sich schützen kann? Seit längerem schon arbeitet der Personenschutz bekannter spanischer Politiker effizient, was sich ungefähr so übersetzen läßt: Seit längerem ist niemand aus der ersten Reihe erschossen worden.

          Wer allerdings nach wie vor durch Terroristen starb, waren Gemeinderäte in den Dörfern, Journalisten, Offiziere, Militärköche oder Verkehrspolizisten. Und "zufällige Ziele", wenn die telefonische Ankündigung eines Attentats mit kalkulierter Verspätung eintraf: Reisende, Pendler, Spaziergänger, Touristen an einer beliebigen Bus- oder Bahnstation irgendwo in Spanien. Was die Bomben betraf, war in Zeitungskommentaren immer häufiger ein verächtlicher Unterton zu hören, Vorfreude auf den Triumph - eine spanische Schwäche. Eta sei fast am Ende, hieß es gelegentlich, der "logistische Apparat" nahezu "zerschlagen".

          Kette von Erfolgsmeldungen

          Die gescheiterten Attentatsversuche der letzten zwei Jahre schienen es zu bestätigen. "Eta kann nicht mehr", sagte man um die Weihnachtstage, als zwei junge Terroristen einen Bombenanschlag im Personenzug so stümperhaft ins Werk setzten, daß niemand zu Schaden kam und die Polizei die Täter festnehmen konnte. Die Männer hatten noch nicht einmal an intakte Batterien für ihren Walkman gedacht. Daß die Eta-Leute immer jünger, politisch unbedarfter, mafioser werden, eine Bande von Pistoleros, läßt sich soziologischen Untersuchungen entnehmen. Es gibt keinen Grund, an ihren Ergebnissen zu zweifeln.

          Insgesamt erschienen die Nachrichten, die sich auf den baskischen Terrorismus bezogen, im Kriminalistischen wie eine Kette von Erfolgsmeldungen: zahllose Festnahmen wichtiger Eta-Mitglieder, aufgespürte Geheimwohnungen, beschlagnahmte Dokumente, die ihrerseits zu neuen Festnahmen in Spanien und Frankreich führten. Gewiß, noch immer starben Menschen, aber es wurden weniger. Der französische Innenminister konnte für seine Verdienste um die Bekämpfung des Eta-Terrorismus eine Auszeichnung der Madrider Regierung entgegennehmen. Manchmal schlich sich etwas Endgültiges in die hoffnungsvollen Berichte über die Demontage des übelsten Feindes, den die spanische Demokratie kennt. "Noch nie war Eta dem Ende so nahe wie jetzt."

          Weitermachen wie bisher

          Das schrecklichste Attentat in der gut vierzigjährigen Geschichte der baskischen Terrorbande ist der Beweis, daß jegliches Triumphgefühl verfrüht war. Doch umgekehrt gilt: Die Gegner des Terrorismus haben nichts falsch gemacht. Sie waren chancenlos. Der massenhafte Mord, wie er in einer westeuropäischen Demokratie kaum denkbar schien, darf keine Botschaft für den spanischen Staat enthalten außer der einen: Alle müssen in der Terrorbekämpfung weitermachen wie bisher. Wenn möglich, noch wachsamer, zäher und genauer. Und die politischen Parteien sollten ihre Einigkeit gegen den terroristischen Gegner ins Zentrum ihrer Wahlaussage stellen, statt mit ihren Differenzen nach Wählerstimmen zu jagen.

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