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Spähaffäre : Was geschah am 11. September 2001?

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New York am 11. September 2001: Die brennenden Doppeltürme des World Trade Centers hinter dem Empire State Building Bild: dapd

Noch dreht sich in der Spähaffäre vieles um Technologien. In einem seltenen Auftritt lotete die Filmemacherin und Snowden-Vertraute Laura Poitras in Berlin nun auch ihre historischen und politischen Dimensionen aus.

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          Wir wissen, was am 11. September 2001 passiert ist. Wir haben es im Fernsehen gesehen und sehen es manchmal noch heute. Es fiel Laura Poitras nicht schwer, das Publikum im Auditorium des Haus der Kulturen der Welt in Berlin am Donnerstagabend zu erinnern. Die Doppeltürme des New Yorker World Trade Centers musste sie in ihrem kurzen Film nicht zeigen, auch die Flugzeuge nicht, oder das Feuer, den Rauch und den Schutt. Sie zeigte die Gesichter von Menschen, die auf die brennenden Türme blickten.

          Es ging ihr um die drei Sekunden, die als Gegenwart gelten, in denen Menschen einfach schauen, bevor sie mit Gedanken und Gesprächen versuchen, zu verstehen. Poitras streckte diese Momente per Zeitlupe zu kleinen Ewigkeiten und unterlegte sie mit dramatisch grollender Musik. Die Bilder waren also inszeniert, aber ebenso echt. Die Frage des Abends, der sich Poitras an der Seite des Aktivisten Jacob Appelbaum und des Künstlers Trevor Paglen, stellte, lautete: Welche Beweiskraft steckt in Kunst?

          Laura Poitras (September 2012)

          Laura Poitras war die zweite Person neben Glenn Greenwald, die Edward Snowden ins Vertrauen gezogen hatte. Ihnen beiden gab er in Hongkong das Interview, mit dem er sich im vergangenen Sommer der Welt offenbarte und die Spähaffäre begann. Greenwald übernahm anschließend die öffentliche Anwaltschaft für Snowden. Poitras dagegen blieb der Öffentlichkeit verborgen. Darüber gesprochen hat sie auch diesmal kaum.

          Sie begann ihren Vortrag mit dem Hinweis an anwesende Journalisten, dass auch an diesem Abend nichts Neues zu erwarten sei. Diese Aussage war ironisch zu verstehen, denn ihr selbst ist die Frage nach Neuigkeiten völlig fremd. Ihr gehe es als Filmemacherin nicht um die Enthüllung geheimen Wissens, sondern um den Umgang mit dem Offenbaren, sagte sie. Verstehen sei eine Sache des Fühlens, das sich aus der Distanz der Beobachter ergibt. Ihr gehe es um die Nähe zu dem, über das sie berichten, von dem sie Geschichten erzählen wolle.

          Niemand kennt die Zahl der Opfer des Irakkriegs

          Poitras trat in ihren bisherigen Filmen nicht selbst auf, auch nicht als Sprecherin. Auf der Bühne brach sie mit dieser Regel. Während sie ihre Aufnahmen des 11. Septembers zeigte, zählte sie Ereignisse auf: Am 14. September 2001 zog Amerika den Einsatz des Militärs in Erwägung. Am 7. Oktober 2001 begann die Militäroperation „Enduring Freedom“ in Afghanistan. Am 14. Oktober trafen die ersten Server bei der NSA ein, mit denen das Programm der Telefonüberwachung im Inland begann. Am 11. Januar 2002 traf der erste Gefangene in Guantanamo ein. Im Sommer desselben Jahres legalisierte das amerikanische Justizministerium bestimmte Formen der Folter. Im Frühjahr 2003 begann die Invasion des Iraks. Dieser Krieg habe Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet. Von den amerikanischen Opfern wisse man die Namen, von den irakischen nicht einmal ihre Anzahl, sagte Poitras.

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