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Studie zu Wertschätzung : Daheim ist’s am schönsten

Da geht einem doch das Herz auf: Weihnachten im norwegischen Königshaus steckt sicher voller Wertschätzung. Bild: dpa

Je anerkannter die Menschen sich fühlen, desto zufriedener sind sie mit der Demokratie. Würde ein Lovestorm der Wertschätzung uns näher zusammenbringen?

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          Manchmal verraten Studien mehr als die nackten Zahlen. Oft kann man außer Acht gelassene Drittvariablen oder ein merkwürdiges Studiendesign herauslesen – aber manchmal auch den Zeitpunkt, wie bei einer neuen Studie der Uni Magdeburg, die untersucht hat, wo Menschen sich wertgeschätzt fühlen. Die Ergebnisse: 93 Prozent der Deutschen fühlen sich in ihrem Alltag wertgeschätzt, 52 Prozent erfahren jedoch auch Geringschätzung, hauptsächlich in öffentlichen Bereichen wie ihrem Arbeitsplatz. Am positivsten erleben die Befragten in dieser Hinsicht Freundeskreis und Familie.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Nun sind soziale Netzwerke kein verlässliches Umfrageinstrument, aber wer an den Weihnachtsfeiertagen dort herumlas, stieß auf ausreichend Genervtheit und Katastrophenberichterstattung, um zu wissen: Der Zeitpunkt dieser Befragungen kann zu fast jedem Tag im Jahr gewesen sein – außer kurz nach Weihnachten. Da streiten Familien über Nussallergien und vegane Ernährung, über Kindererziehung und über Politik. Wer sich seiner Karriere widmet, wird gefragt, warum er sich nicht mehr Zeit nimmt für die Familie, und wer halbtags arbeitet, muss sich Fragen nach Altersvorsorge und Vermögensbildung gefallen lassen. Die Einzigen, die an Weihnachten nicht streiten, sind ruhigere Menschen mit mindestens zwei Geschwistern, und das auch nur, weil sie nicht zu Wort kommen.

          Aber dass so viele Menschen das offenbar zügig wieder vergessen, stabilisiert nicht nur ihre Psyche, sondern auch die Gesellschaft: Die Zufriedenheit mit der Demokratie werde deutlich davon beeinflusst, ob sich der Einzelne wertgeschätzt fühle, schreiben die Soziologen. Daraus lässt sich zumindest ein Handlungsvorschlag ableiten für die nächsten Feiertage, Ostern steht ja quasi vor der Tür. Wenn man die Großtante mehr für ihre unglaublich sämige Sauce lobt, schimpft sie dann vielleicht nicht mehr auf „die Asylanten“? Kann man Opa mit einem Kompliment für seine Cordhose davon abhalten, allen unter 25 das Wahlrecht entziehen zu wollen? Würde ein Lovestorm der gegenseitigen Wertschätzung uns wieder zusammenbringen? Wahrscheinlich nicht. Aber schaden könnte er auch nicht.

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