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Erstwähler in Amerika : Wie Tiktok junge Amerikaner politisiert

Ein Tanz für Trump und Tiktok: Jungwähler bei einem Wahlkampfauftritt des Präsidenten in Georgia Bild: Reuters

Politisches Bewusstsein bilden die Jungen vor allem in den sozialen Medien. In Amerika ist Tiktok die wichtigste Plattform für Erstwähler geworden. Heißt das, sie werden dieses Mal auch wählen gehen?

          5 Min.

          Michael Schiumo ist ein Jugendlicher aus New York mit der zufriedenstellenden Anzahl von 124.000 Followern auf Tiktok. In den Videos auf seinem Profil präsentiert er sich nachdenklich mit zart getuschten Wimpern, über seinem Kopf leuchten Sätze wie „How fucked up is your country?“ – Anekdoten aus der Erfahrungswelt eines homosexuellen Jugendlichen oder ein Hinweis darauf, dass Kinderehen in Amerika immer noch legal sind, wohingegen Frauen im Kongress keine ärmellosen Shirts tragen dürfen? Knapp eine Million Mal angeschaut wurde ein Kurzvideo mit der Überschrift „Sorry Republikaner, aber wir gewinnen das hier“ samt Bildergalerie, die Joe Bidens und John F. Kennedys zuversichtlich lächelnde Enkel zeigt, die Stieftochter von Kamala Harris und die Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez, Idol vieler junger Internetnutzer. Die Verschränkung von politischen und Wieder-meine-Hausaufgaben-vergessen-Inhalten sieht bei ihm ganz natürlich aus.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mehr als fünfzehn Millionen Amerikaner sind seit der letzten Präsidentenwahl im Jahr 2016 achtzehn geworden. Ihre Probleme haben sich in den vergangenen Monaten multipliziert. Die Sorge um unbezahlbare akademische Bildung, ihre berufliche Zukunft, die Folgen des Klimawandels, Rassendiskriminierung und politisches Versagen hat die Pandemie nicht überlagert, sondern vertieft, und Covid-19 lässt neue Ängste wuchern. Über ihre politische Zukunft abgestimmt haben lange Jahre trotzdem die wenigsten. Die „Youth Voter“ gelten seit den achtziger Jahren als müde Wählergruppe.

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