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Friedrichswerdersche Kirche : „Zerstörung mit Ansage“

  • Aktualisiert am

Die Schäden durch benachbarte Bauarbeiten sind jetzt schon irreversibel: die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin. Bild: dpa

Die Friedrichswerdersche ist die einzige noch ganz erhaltene Schinkel-Kirche in Berlin. Bald ist sie voll hinter Luxusbauten verschwunden – und durch die Bauarbeiten vermutlich noch stärker beschädigt als ohnehin.

          Eine „Zerstörung mit Ansage“ – so nennt der evangelische Pfarrer Stephan Frielinghaus das, was mit der Friedrichswerderschen Kirche von Karl Friedrich Schinkel im historischen Zentrum Berlins derzeit passiert. Das neugotische Gebäude, ein Baudenkmal von besonderem Rang, ist seit 2012 geschlossen, weil der Neubau von Luxuswohnungen in unmittelbarer Nähe zu irreversiblen Schäden geführt hat. Jetzt droht von einem weiteren Großprojekt an der Ostseite abermals Gefahr.

          „Wir haben wieder neue Risse an verschiedenen Stellen, es ist ein Trauerspiel“, sagt Pfarrer Frielinghaus. Bisher sei die Ursache noch nicht ermittelt, das müssten nun die Experten klären. „Und ich befürchte, dass das Eigentliche noch bevorsteht, wenn die Baugrube ausgehoben wird. Dann kommt’s zum Schwur“, so der Gemeindevorsteher.

          Bleibende Schäden waren nicht zu verhindern

          Die oberste Kirchenleitung hatte, gestützt auf ein Gutachten, schon im vergangenen Herbst Alarm geschlagen. Das neue Projekt werde „sicher erneut zu vergleichbaren Schäden“ führen wie bei den sogenannten Kronprinzengärten an der Westseite, hieß es. Damals hatten die Erschütterungen beim Bau der Tiefgaragen klaffende Risse in den Gewölben verursacht, der Putz fiel von der Decke, Fensteröffnungen verformten sich.

          Seit 2012 ist die Kirche wegen Bauschäden geschlossen.

          Die Kirche, seit 1987 nach einer millionenschweren Sanierung von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Ausstellungsraum genutzt, wurde geschlossen, die dort gezeigten Skulpturen mussten in Sicherheit gebracht werden. Zwar kam der Investor für die Reparaturen auf, doch ließen sich der Kirche zufolge bleibende Schäden nicht verhindern. Bis heute ist der gesamte Kirchenraum mit einem riesigen Gerüst abgestützt.

          Mess- und Überwachungssysteme installiert

          Der Bauherr des neuen Projekts wollte sich auf dpa-Anfrage aktuell nicht äußern. In einer früheren Stellungnahme hatte die Frankonia Eurobau jedoch betont, sie sei sich ihrer großen Verantwortung bewusst, man habe entsprechende Lehren gezogen. „So sind die Bauarbeiten deutlich erschütterungsärmer, und die Schlitzwände zur Sicherung des Untergrundes sind deutlich stabiler als auf der Westseite“, hieß es.

          Stufen und Säulen weisen tiefe Risse auf.

          Auch die Senatsbauverwaltung verweist darauf, dass die vom Denkmalschutz geforderten Mess- und Überwachungssysteme installiert worden seien. Eine Sprecherin: „Beim Erreichen der Schwellenwerte ist eine Unterbrechung der Baumaßnahmen vorzunehmen, um weitere Schäden frühzeitig zu vermeiden sowie die möglicherweise eingetretenen Schäden zu begutachten und gegebenenfalls erforderliche Konsequenzen einzuleiten.“

          Eng war es auch früher schon

          Allerdings machen vielen Denkmalschützern nicht nur Risse und Erschütterungen Sorgen, sondern auch die Veränderungen im Stadtbild. Denn die Kirche, der einzige noch ganz erhaltene Sakralbau des königlich-preußischen Hofbaumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), wird zwischen den fünf- bis siebengeschossigen, nur wenige Meter entfernten Luxusbauten fast verschwinden.

          Ein Modell von Berlin Mitte um 1900 in der Humboldt-Box zeigt, wie eng und wie hoch die Kirche vor dem Krieg umbaut war.

          Baustaatssekretär Christian Gaebler (SPD) sprach in seiner Antwort auf eine Grünen-Anfrage von einer „Wiedergewinnung der historisch kleinteiligen, dicht bebauten Blockstruktur“. Tatsächlich zeigt ein originalgetreues Modell der Stadt im Informationszentrum Humboldtbox, dass auch früher schon Wohnhäuser nahe an die Kirche heranrückten. Sie seien aber deutlich kleiner und niedriger gewesen, kontert die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert. „Es ist einmalig, wie hier ein Berliner Kleinod kaputtgemacht wird.“

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