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Amazonas-Synode : Kult um Fruchtbarkeit statt Liturgie

Mutter Erde, wir loben dich: Ein indigenes Baumpflanz-Ritual in den Vatikanischen Gärten zum Franziskus-Tag am 4. Oktober 2019 Bild: dpa

Allen alles werden – das war immer schon die Missionsstrategie des Christentums. Während der derzeit in Rom tagenden Amazonas-Synode werden allerdings Rituale gefeiert, bei denen der Christus-Bezug entbehrlich erscheint.

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          Das Praktische am Kult der Mutter Erde ist seine Anschlussfähigkeit, seine unbegrenzte Verknüpfbarkeit mit spirituellen Attributen, von naturreligiösen Fruchtbarkeitskulten bis hin zur Klimareligion eines irgendwie heiligen Planeten. Der Vatikan gibt der Mutter Erde eine ehrwürdige Bühne, wenn im Rahmen der derzeit in Rom tagenden Amazonas-Synode Rituale gefeiert werden, bei denen man alttestamentliche Bibellesungen dergestalt mit Merkmalen von Fruchtbarkeitskulten verbindet, dass sich die liturgischen Formen auflösen zugunsten einer Gaia-Liturgie, in der – traditionell gesprochen – zwischen Gottesdienst und Götzendienst die Grenzen zu zerfließen scheinen, zumindest ihre unterscheidende Bedeutung verlieren. Schon unmittelbar vor der Synode, bei der es um die Mobilisierung indigener Narrative zur Reform der Kirche geht, hatte es in den Vatikanischen Gärten im Beisein des Papstes einen erdverbundenen, rund um indigene Mythologien angelegten Lobpreis der Schöpfung gegeben, der jedenfalls ohne Christus als „Gott von Gott“ (Credo) auskam.

          Was ist da los im Vatikan? Wird das Christentum unter dem Jesuitenpapst zur Sammlungsbewegung einer Welteinheitsreligion, die den Universalismus von „katholisch“ (allumfassend) mit „planetarisch“ (biosphärisch) übersetzt? Verliert hier eine monotheistische Religion ihr Gesicht? Gemach, gemach. Zum einen: Begriffe wie synkretistisch, häretisch oder heidnisch taugen schon lange nicht mehr als kritische Gegenbegriffe zur religio vera (Augustinus). Seit die Kirche dazu übergegangen ist, sich ein Wahrheitsmodell in physikalischen Termini zu verpassen, das radikal inklusiv verfährt (es geht um überall zu findende „Elemente“ und „Grade“ der Wahrheit), seitdem steckt sie in der Verlegenheit, von ihren eigenen Voraussetzungen her nicht länger die Grenzen zu Lüge und Sünde bestimmen zu können. Denn natürlich: wo wäre nicht immer auch ein Körnchen Wahrheit zu finden? Wahrheit und Lüge, Tugend und Sünde sind demnach auf einem Kontinuum angesiedelt, das die Künste seit je treffsicher beschreiben, aus dem heraus sich aber kein Dekalog mit seinem ausschließenden „Du sollst (nicht)“ formulieren lässt. Das zum einen.

          Zum anderen gehört es von Anfang an zu den Missionsstrategien des Christentums, sich bei seiner Verkündigung an das jeweilige Umfeld anzupassen, allen alles zu werden, um wenigstens einige zu retten, wie ein berühmtes, dem Paulus zugeschriebenes Wort geltend macht. Und zumal die Jesuiten kleideten sich in alle möglichen Gewänder, wurden den Brahmanen Brahmanen und so weiter, um ihre Weltmission durchzuführen. Keine Mission ohne Inkulturation: Das war theologisch nie strittig; der Streit ging immer nur darum, ob die christlichen Gehalte als solche noch transportiert werden oder ob sie im Prozess der kulturellen Angleichung nicht mehr erkennbar sind. Hier liegt der springende Punkt für das ungläubige Staunen, das die auf ihr Christus-Credo festgelegten Gläubigen nun neuerdings dem vatikanischen Kult der Mutter Erde entgegenbringen.

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