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Urlaub mit Heinrich Heine : Schlimme Tage in Scharbeutz

Wenn Deutsche sich Deutschen antun: Urlauber in Benidorm. Bild: Nicole Strasser / VISUM

Viele Deutsche, die es sonst in den europäischen Süden zieht, machen dieses Jahr Urlaub in der Heimat. Aber werden sie ihre Landsleute überhaupt ertragen? Heinrich Heine, Experte für kritische Deutschlandliebe und exquisiten Deutschlandhass, wusste darüber alles.

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          Die Schlagzeile kürzlich im „Handelsblatt“ ließ keinen Zweifel daran, dass etwas Großes geschehen war: „Deutschland bleibt zu Hause“. Gemeint war: jetzt, im Sommerurlaub. Gemeint war: Deutschland kann nicht weg, nämlich von sich selbst. Es fährt in seine liebsten Urlaubsbundesländer Bayern (siebzehn Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (sechzehn Prozent), Schleswig-Holstein und Niedersachsen (beide je elf Prozent). Da lagen aber die ersten Hiobsbotschaften zum Ferienauftakt an den deutschen Ostseestränden schon hinter uns. „Wirklich erschreckend“, so die „Welt“, sei es gewesen, was sich vergangene Woche in Scharbeutz zutrug, wo mehrere Dutzend Gruppen Jugendliche samt Shisha-Pfeifen des Strandes verwiesen werden mussten, weil sie beim Feiern die geltenden Distanz- und Hygieneregeln missachtet hatten. Sogar Schlägereien habe es gegeben. Die Scharbeutzer Bürgermeisterin forderte „mehr Polizeipräsenz“ an.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Natürlich hat einiges davon mit dem Jungsein zu tun: Man fühlt sich nicht betroffen, man hat keinen Bock auf so viel Sicherheit. Zu vermuten ist aber auch, dass wir uns in diesem Sommer als urlaubende homogene Masse mehr als sonst auf die Nerven gehen werden. Die deutschen Inseln zum Beispiel sind seit langem ausgebucht, den zu erwartenden Albtraum würde ich mir nicht einmal als Film antun. Der vorgeschriebene Abstand zwischen den Strandkörben an der Ostsee beträgt 3,25 Meter – wird jetzt einer durch den Sand kriechen, um das nachzumessen? Liegt irgendetwas daran auch an uns, weil wir Deutsche sind? Mir fehlt die Erfahrung. Asfa-Wossen Asserate hat in einem Buch mit dem hinreißenden Titel „Draußen nur Kännchen“ die Vermutung geäußert, die Deutschen-Klischees stammten nicht von Ausländern, die mit Befremden auf uns Ureinwohner blickten, sondern von den Deutschen selbst.

          Sollte es sich so verhalten, darf der Dichter Heinrich Heine (1797 bis 1856) aus Düsseldorf durch seinen messerscharfen Spott als einer unserer vornehmsten Traditionsstifter gelten, und es könnte sich lohnen, seine Werke zum Strandgepäck zu legen. Fast ein halbes Leben lang hieß er übrigens „Harry“ Heine, so benannt nach einem englischen Freund seines Vaters. Erst als der Sohn einer jüdischen Mutter zum Protestantismus konvertierte, machte er den ernsten „Heinrich“ daraus.

          In Berlin nur tote Häuser

          Spötter und Verlacher war er aber immer schon gewesen. Als er ein unglücklicher Jurastudent in Göttingen war und in den Semesterferien endlich mal rauskam, setzte er der Stadt in seinem Buch „Die Harzreise“ (1824) gleich auf der ersten Seite ein Denkmal, glänzend wie schwarzes Pech. Sie sei sehr schön, schrieb er, „und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht“. Ihre Bewohner bestünden aus „Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier Stände doch nichts weniger als streng geschieden sind“. So satirisch geht es zu in diesem Buch, dass es in Göttingen von der Polizei verboten wurde. Es war eben nicht leicht, aus diesem flirrenden romantischen Dichterkopf schlau zu werden, der mit kaum Mitte zwanzig schrieb: „Zu einer Reise durch Spanien, Frankreich und Italien wünschte ich eine Polin zur Begleiterin; zu einer Reise durch das Leben eine Deutsche.“ Geheiratet hat er am Ende – in Paris, wo sonst? – eine Französin.

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