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Software : Kullerauge für Linux

  • -Aktualisiert am

Ein Pinguin gegen Bill Gates Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vollgefressen und zufrieden sieht er aus: Der Pinguin Tux, das Maskottchen von Linux, sieht mit gütigem Blick den Benutzer an, der sich die freie Software herunterlädt. Doch das friedliche Tierchen hat Feinde.

          Ein Pinguin ist das Maskottchen des offenen Betriebssystems Linux. Vollgefressen und zufrieden sieht er aus. Aber das hat andere Gründe, als man gemeinhin bei Betriebssystemherstellern vermuten sollte. Mit gütigem Blick sieht der Pinguin den Benutzer an, der ganz ohne schlechtes Gewissen Software aus dem Internet herunterlädt.

          Tux heißt das Tier - das steht für „Torvalds UniX“, nach dem Erfinder von Linux, Linus Torvalds. Doch erst das, wofür er inhaltlich steht, macht den Pinguin so beliebt: ein freies Betriebssystem, das kostenlos und stabil ist. Der Pinguin, den man inzwischen selbst als goldenen Schlüsselanhänger kaufen kann, steht aber auch für schadenfrohes Lachen, wenn ein sogenannter „Windoof“ nach Installation des fünften Updates für ein teures, aber mangelhaftes Programm seinen Computer wieder und wieder neu starten muß. Das wäre, soll das freundliche Tier suggerieren, ihm im Pakt mit dem Pinguin nicht passiert.

          Alles open source

          Es gibt Tux in zahllosen Ausführungen, mal mit Hut, mal als Roboter, mit einer Zeitung in der Hand oder auf dem Snowboard. Jede Gruppe von Linux-Freunden kann das Maskottchen umgestalten und zu seinem eigenen Logo machen. Was für das Maskottchen gilt, ist auch bei den Anwendungen Programm: Alles ist open source.

          Neben vielen Verehrern hat der friedliche Tux jedoch auch Feinde. Das Europäische Parlament könnte dazugehören, wenn die dort diskutierten Softwarepatente beschlossen werden. Das wären dann Abschußrechte für Tux und seine Spezies. Sie führen deshalb schon jetzt zur Verunsicherung unter den Förderern der Pinguin-Distribution.

          Aber auch die Unflexibilität der meisten Benutzer, die zu faul sind, sich die Bedienung eines anderen Systems als des gewohnten anzueignen, macht dem befrackten Seevogel zu schaffen. Hier agiert München an vorderster Front. Die Stadt stellt nämlich ihre Computer auf Linux um. Wie im Artenschutz üblich, kostet das erst mal ein paar Millionen. Aber es lohnt sich. Nicht nur die Kosteneinsparungen in der Folgezeit, sondern auch die freie Einsicht in den Quellcode der Programme und ihre Veränderbarkeit sind für die sanfte „Evolution“ in München verantwortlich.

          Seuche der Unflexibilität

          Die Stadt verspricht sich einiges davon: Ist die Seuche der Unflexibilität erst mal überwunden, vermehrt sich die Population der Tuxe von ganz allein. Für Nachwuchs braucht der Nutzer nämlich keine Lizenz. Legale Kopien zieht man ohne konspirative Codes aus finsteren Internetecken einfach nach Bedarf auf den Zweitrechner. Die vielen Millionen, die man vorher in München als Fixkosten für mühsam und kostenintensiv am Leben erhaltene Züchtungen anderer Betriebssysteme vergeudet hat, sollen nun anderweitig investiert werden. Für Bildung beispielsweise. Denn auch eine Schule kann das kostenlose Betriebssystem auf alle Rechner spielen, ohne für jeden einzelnen zusätzliche Lizenzen zu kaufen.

          Außerhalb Münchens bleibt man aber erst einmal dabei, das knappe Geld für kommerziellere Betriebssysteme auszugeben. Angesichts solcher Reserviertheit muß man sich nicht wundern, daß die Verbreitung des Pinguins sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat. Der ist nämlich billig zu haben.

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