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Umbau der Royal Academy : Alles so schön altneu hier

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Ein „Bergauf und Bergab“, wie Chipperfield es nennt, über Kellertreppen und Übergänge klingt wenig viel versprechend, doch wird der Besucher durch architektonische und künstlerische Blickfänge abgelenkt, die die im Zentrum der Akademie stehende Rolle des Lehrens durch Exempel hervorheben.

Chipperfield hat dem Kellerdurchgang Monumentalität verliehen, indem er den Boden versenkte und den Putz entfernte. Dadurch ist das ehemalige Gewühl von Kabeln und Ramsch in eine Skulpturengalerie verwandelt worden, deren Gewölbe römische Architektur beschwört. Überhaupt lässt sich Chipperfields Intervention durch die Formel „Hinzufügen durch Wegnehmen“, auf den Punkt bringen. Das gilt für das viktorianische Farbschema, das bis auf den wiederhergestellten Sitzungssaal, in dem sich ein Café befindet, durch zurückgenommene Grautöne ersetzt worden ist, wie für die Fassade von Burlington Gardens mit ihrem skulpturalen Pantheon europäischer Geistesgrößen.

Aus Laborräumen wurden Galerien

Chipperfields Kunst liegt nicht nur in der Formgebung, sondern auch in dem Verständnis für die Anforderungen einer privat finanzierten Institution, deren Erweiterung auch der Erschließung neuer Ertragsquellen dient. Als Köder dienen kostenlos zugängliche Räume. Mit dem dazugewonnenen Gebäude steigert die Academy ihren öffentlich nutzbaren Raum um siebzig Prozent. Dies ermöglicht ein kontinuierliches Programm zwischen den großen Ausstellungen in Burlington House. Die neuen Attraktionen umfassen eine Sondergalerie für die Lehrsammlung, in deren Mittelpunkt Michelangelos modern gerahmtes Taddei Tondo steht, und eine stärkere Präsenz für die bislang vernachlässigte Sparte der Architektur etwa durch die Abgusssammlung antiker Bauelemente.

Unter viktorianischen Stuckdecken: Chipperfields Eingriff besticht durch raffinierte Schlichtheit.

Zur Dynamik des Hauses soll auch der Vorlesungsraum beitragen. Statt diesen wie ursprünglich gedacht in den Keller zu verbannen, hat Chipperfield an der Stelle des ehemaligen Auditoriums der Universität einen lichten doppelgeschössigen Saal für rund 250 Zuhörer gesetzt, der mit seinen steil aufsteigenden Sitzbänken an die Aktzeichenstunden der Akademie anklingt, wie sie auf alten Gemälden und Stichen überliefert sind. Aus zwei ehemaligen Laborräumen der Universität sind Galerien entstanden, in denen zur Eröffnung Tacita Dean den letzten Teil ihrer als eine Art Triptychon konzipierten, über die National Gallery, die National Portrait Gallery und die Royal Academy verteilten Ausstellungsreihe über die drei Kunstgattungen Stillleben, Porträt und Landschaft zeigt.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Landschaft ergänzt sich mit der von Akademiepräsident Christopher Le Brun kuratierten Auswahl aus dem Bestand, die mit humorvoll subversivem Zug zeigt, wie die eigenwilligen Briten sich nicht in die Zwangsjacke des akademischen Ideals pressen ließen, das Gründungspräsident Sir Joshua Reynolds vorschwebte, sondern ihren Glanzpunkt in der am niedrigsten rangierenden Gattung Landschaftsmalerei erreichte. Der britische Sonderweg ist der Royal Academy bisweilen ein Hindernis gewesen. Eine Zeitlang stilisierte sie sich als Bastion der Tradition gegen die Moderne. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Nun hat Chipperfield den Rahmen geschaffen für eine neue Phase in der Geschichte der 250 Jahre alten Institution.

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