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Grabpflege und Erinnerung : Wer seine Künstler nicht ehrt

  • -Aktualisiert am

In Pflege: Das Ehrengrab der Volksschauspielerin Liesel Christ auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Bild: Frank Röth

Auf Friedhöfen wird es leerer. Man kann dort Filme sehen oder Gymnastik machen. Und wer kümmert sich um Ehrengräber? Auch Frankfurt hatte einen Fall wie jetzt Berlin mit Oskar Loerke.

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          So vieles ändert sich mit der Zeit, also auch die Friedhofskultur. Die Menschen sind nicht mehr so sesshaft wie früher, warum also ein Grab und Grabpflege bezahlen. Urnen sind praktischer und preisgünstiger. Da viele Grabnutzungsverträge nicht verlängert werden, gibt es weniger Geld für die Friedhofsverwaltungen, dafür aber viel mehr Platz.

          Inzwischen werden Friedhöfe auch für Events genutzt, es werden Filme gezeigt, Gymnastikgruppen können dort ihre Übungen machen. Dass nun nicht mehr nur Angehörige nicht für ein Grab aufkommen wollen oder können, sondern auch Stadtverwaltungen, obwohl sie dem Gestorbenen ein Ehrengrab zugesprochen hatten, wie es gerade im Fall des Dichters Oskar Loerke öffentlich wurde, ist mehr als empörend. Aber der Rat der Bürgermeister von Berlin hat auf die öffentliche Empörung reagiert: Loerkes Grab soll erhalten bleiben.

          OB Feldmann kennt sich nicht aus

          In Frankfurt am Main gab es einen ähnlichen Fall, da aber kam es erst gar nicht zum Ehrengrab, weil der Oberbürgermeister Peter Feldmann den Schriftsteller nicht kannte. Ein von ihm beauftragtes Dossier ergab dann: kein Ehrengrab für Horst Krüger. Krüger, 1919 in Magdeburg geboren, arbeitete als Literaturredakteur in Baden-Baden und zog Mitte der sechziger Jahre nach Frankfurt am Main. Fortan war er freier Schriftsteller.

          Durch die Freundschaft mit dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer besuchte er den von Bauer eingeleiteten Auschwitz-Prozess. 1966 veröffentlichte er sein erstes Buch: „Das Zerbrochene Haus“, in dem er auch seine Prozessbeobachtungen schilderte. Weitere Bücher folgten, zahlreiche Rundfunkarbeiten und Filme. Und immer wieder waren in diesen Arbeiten Liebeserklärungen an Frankfurt zu finden.

          Krüger wurde vielfach für sein Werk ausgezeichnet, auch mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main. Er starb am 21. Oktober 1999 und wurde in Frankfurt auf dem Oberräder Waldfriedhof beigesetzt. Kurz vor seinem 100. Geburtstag, 2019, lief die Nutzungsfrist für das Grab ab. Damit Krüger nicht zu seinem 100. Geburtstag aus der Stadt verschwand, wurde in privater Initiative beim Kulturamt der Stadt Frankfurt angefragt, ob die Stadt die Kosten für die Verlängerung der Grabnutzung, das waren 1311 Euro, übernehmen könnte. Die Stadt hat, nach einigem Hin und Her, schließlich tausend Euro bereitgestellt. Zum Glück übernahm die Horst-Bingel-Stiftung die restlichen Kosten, auch für die Grabpflege, so dass Horst Krüger seinen Platz behalten konnte.

          Im „Zerbrochenen Haus“ schrieb Krüger: „... daß Gräber wie Menschen sterben können, daß es einem passieren kann: du kommst nach Hause, und die Frau ist tot! Genauso kann es einem passieren, daß man nach Jahren an ein Grab kommt, und das Grab ist weg, das Grab selber ist gestorben, und nichts ist mehr da, einfach nichts.“ Ehren wir die toten Dichter und Dichterinnen. Und wie gut, wenn man ihrer auch am Grab gedenken kann.

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