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Snowden-Dokumente : Britischer Geheimdienst überwachte Millionen Videochats

  • -Aktualisiert am

Das GCHQ hat Wege gefunden, Videochats auszuspionieren und automatisiert zu analyiseren. Bild: REUTERS

Der britische Nachrichtendienst GCHQ spionierte Videochats von Yahoo-Nutzern aus. Die Daten stammten aus der Massenüberwachung durch die NSA.

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          Optische Wohnraumüberwachung gehörte seit 2008 zu der üblichen Geheimdienstpraxis des britischen Nachrichtendienstes GCHQ. Aktuell vom „Guardian“ veröffentlichte Dokumente aus dem Fundus Edward Snowdens zeigen, dass und wie die britischen Agenten ein Programm namens „Optic Nerve“ entwickelt haben. Das Ziel dieses prototypischen Programms sei gewesen, einzelne Bilder aus Videochats heraus zu speichern. Zu den Opfern sollen laut Zeitungsbericht 1,8 Millionen Nutzer der Dienste von Yahoo zählen.

          Technische Vorkehrungen, amerikanische und britische Nutzer aus dem Speicher zu filtern, habe es nicht gegeben, schreibt der „Guardian“. Ohnehin gebe es keine rechtlichen Restriktionen für britische Agenten gegenüber der Speicherung und Verwendung von Bildern amerikanischer Nutzer. Ebenso wenig habe es Versuche gegeben, explizit sexualisierte Bilder auszuscheiden. Bis zu einem Zehntel der abgefangen Bilder sollen sexuellen Inhalts sein.

          Die Dokumente bezeugten allerdings technische Bemühungen, diese abgefangenen und gespeicherten Bilder vor den GCHQ-Agenten zu verbergen. Zum einen sollen Bilder automatisch aussortiert worden sein, auf denen kein Gesicht zu erkennen war. Zum anderen warnte der Geheimdienst seine Mitarbeiter, dass es technische Schwierigkeiten gebe, sexuelle Bilder vollständig automatisiert zu filtern, weshalb man immer auf sie stoßen könne.

          GCHQ: Verdächtige bevorzugen Yahoo

          Das Programm stelle den Versuch dar, auch in Privaträumen per automatisierter Gesichtserkennung Gesuchte und Verdächtige zu identifizieren. Deshalb sollten möglichst viele Bilder in das System eingespeist werden. Um dennoch Privatsphären zu schützen, habe sich das GCHQ entschieden, die Videos nicht vollständig abzugreifen, sondern lediglich alle fünf Minuten einen Screenshot anzufertigen und auszuwerten. Technische Gründe, die Speicher- und Rechenlast der Analysen gering zu halten, führt der „Guardian“ als weitere Erklärung für dieses Verfahren auf.

          Die Daten stammten aus der massenhaften Netzüberwachung von GCHQ und dem amerikanischen Pendant NSA. Laut Bericht wurden die Bilder zuerst in das von der NSA entwickelte Suchprogramm XKeyscore eingespeist, ehe sich die Briten den Yahoo-Chats zuwendeten. Die Agenten gingen von der Annahme aus, dass sich unter Yahoo-Nutzern besonders viele Verdächtigte finden.

          Yahoo bestritt gegenüber dem „Guardian“ eine Zusammenarbeit mit dem Nachrichtendienst und verwies auf laufende Verfahren, in denen sich das Unternehmen für die Privatsphäre seiner Nutzer einsetzt. Im Bericht des “Guardian“ heißt es, das Spähprogramm sei durch amerikanische Geheimgerichte gedeckt. Eine Sprecherin der NSA wies darauf hin, dass amerikanische Dienste keine anderen Dienste um Aufträge bäten, die sie nicht selbst durchführen dürften.

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