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Slayer-Gitarrist Jeff Hanneman : Ein Blutbürger

Erst präzise, dann schnell, dann so laut es geht: Jeff Hanneman Bild: Florian Sonntag

Er spielte, dass die Gitarrentöne voreinander zu flüchten schienen. Nun schließt sich ein Kapitel der Metal-Geschichte: Zum Tode des Slayer-Gitarristen Jeff Hanneman.

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          Eine Partitur ist was anderes - aber nachlesen konnte man dennoch, was das war, dieses Unerhörte, das einem in die Ohren fuhr wie Borsäure aus dem Hochdruck-Wasserwerfer. Auf dem Textblatt zur jeweiligen Platte stand an den betreffenden Stellen zwischen Strophen und Refrains nämlich stets „Solo King“ oder „Solo Hanneman“. Kerry King und Jeff Hanneman, die beiden Gitarristen der südkalifornischen Heavy-Metal-Band Slayer, ragten rund dreißig Jahre lang gemeinsam als zwei Säulen am Hölleneingang zu einer mürrischen Musik, die Anfang der achtziger Jahre vornehmlich in Südkalifornien erfunden wurde und die man „Thrash“ (nicht: Trash!) oder „Speed Metal“ nannte.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Ihre Durchschlagskraft verdankte sie im Wesentlichen dem Umstand, dass sie klang, als ob jemand Vinylpressungen älterer Metal-Produktionen (etwa der „New Wave of British Heavy Metal“) auf einer dafür geeigneten Anlage absichtlich zu schnell abspielte. Kings und Hannemans Beitrag zu diesem Phänomen bestand in der Sprengung der klassischen Arbeitsteilung zwischen Rhythmus- und Leadgitarre unter Freisetzung von Tönen, die sich anhörten, als hätten sie eine solche Angst vor sich selbst, dass sie dauernd versuchten, Fluchtgeschwindigkeit zu erreichen. Kings schwingende Stahlzunge, Hannemans Wimmersplitter, beider mehrstimmiges Giftpfeifen: Das waren Ausgeburten wehender Panik, kalte und heiße Winde des Nichts statt der gefühligen Schauer, die das Gitarrenspiel im Rock herkömmlicherweise den Rücken runterrieseln lässt.

          „Reign in Blood“ als Denkmal der Metal-Geschichte

          King sah und sieht sich dabei eher als Songwriter, ja, Komponist, Hanneman dagegen wirkte, obwohl alleiniger oder Mitautor großer Musik, in öffentlichen Äußerungen mehr wie der Exekutor einer bewusst unkumpeligen Haltung, die sich weigerte, menschlichen Gemütslagen nachzuspüren und sie in Geräusche zu übersetzen, weil man anstelle von derlei vorsintflutlichem Expressionismus auch als Fädenzieher und Detailmanipulator brillieren kann.

          Bei so etwas hilft es sehr, wenn man den stoisch an seinem Grummelhoppelbohrer tätigen Bassisten Tom Arraya und einen der besten Schlagzeuger der Welt, Dave Lombardo (gerade wieder wegen Vertragskram mit seinen Bandkollegen entzweit), hinter sich weiß, und diese bestmögliche Besetzung von Slayer war es denn auch, die gemeinsam mit dem Produzenten Rick Rubin eines der schönsten satanistischen Kriegerdenkmäler der Metal-Geschichte zusammenknüppelte: Das Album „Reign in Blood“ von 1986, knappe neunundzwanzig Minuten freihändiger Hass-Akrobatik im Sirenenglück.

          Am Ende spezieller „Reign in Blood“-Bühnenshows, durchnässt von Kunstblut, pflegte Hanneman mit grimmem Eifer sein Brett zu bearbeiten wie ein Hirnchirurg, der es als besondere Herausforderung akzeptiert, dass man ihm vor der schwierigsten Operation seines Lebens die Gummihandschuhe mit Seife verglitscht hat. Der Teufel trauert: Am Donnerstag ist Jeff Hanneman im Alter von nur 49 Jahren in Inland Empire, Kalifornien gestorben.

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