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Kolumne „Silicon Demokratie“ : Fairphones werden die Welt nicht retten

  • -Aktualisiert am

Nachhaltige Konsumanleitung direkt fürs Fairphone: „Kauf deine Werte. Jederzeit. Überall. Kostenlos!“ Bild: AFP

Kann es ethischen Konsum geben? Ja, kann es. Wer verantwortungsbewusst einkauft, benötigt dazu allerdings kein Fairphone, sondern nur ein gutes Gewissen.

          Ethischer Konsum, also die Vorstellung, wir könnten durch bewussteres Kaufverhalten Gutes tun und auf diese Weise einige der schlimmsten Globalisierungsexzesse lindern, ist keineswegs unumstritten. Manche Kritiker weisen darauf hin, dass die strukturellen Probleme der globalisierten Wirtschaft und die globalen Wertschöpfungsketten davon nicht berührt würden. Andere geben zu bedenken, dass ethischer Konsum die Möglichkeit biete, bei anderen Entscheidungen noch sorgloser zu agieren, da der Verbraucher sich ja sagen könne, seinen Beitrag schon geleistet zu haben. Andere befürchten, dass die durch ethischen Konsum generierten Extraprofite nicht den Erzeugern zugutekommen, sondern in Werbekampagnen für ethischen Konsum gesteckt werden.

          Diese Debatte wird seit mehr als einem Jahrzehnt geführt, und sie ist noch immer nicht entschieden. Aber selbst wenn einige der genannten Einwände berechtigt sein mögen, so könnte man doch fragen, warum politische und ethische Überlegungen nicht in unsere Kaufentscheidungen einfließen sollten. Sind aufgeklärte Verbraucher denn nicht wünschenswerter als Konsumenten, die, nun ja, nur konsumieren?

          Manche Probleme hängen nicht vom Kaufverhalten ab

          Wenn zwischen unserem Kaufverhalten und Problemen wie dem Klimawandel und der Zukunft der Demokratie auf der Welt eine Beziehung besteht (da geht es auch um die Energiepolitik, die wiederum mit unseren Konsumgewohnheiten zu tun hat), dann wären bewusste, unabhängige Konsumenten gewiss ein Vorteil - selbst wenn das an bestimmten Problemen, für deren Lösung sich Verbraucherinitiativen einsetzen, nicht viel ändert.

          Ich will damit nur sagen, dass wir - noch während über den Sinn oder Unsinn ethischen Konsums diskutiert wird - zumindest überlegen könnten, wie wir es vernünftig angehen. Ältere empirische Untersuchungen haben zwei Möglichkeiten nahegelegt. Die eine ist die Annahme, dass zusätzliche Produktinformationen zu mehr ethischem Konsum führen. Die andere lautet, dass ethischer Konsum weitgehend von Statusdenken bestimmt wird: Wir wollen nicht nur Gutes tun, sondern dabei auch gesehen werden. Wenn es nur eine Möglichkeit gäbe, die Allgemeinheit über unser Kaufverhalten zu informieren!

          Die App direkt fürs Fairphone

          Ausgehend von diesen beiden Annahmen, leuchtet sofort ein, warum manche Leute die Informationstechnologie für ein nützliches Instrument halten, wenn es darum geht, die Welt durch Konsum zu retten. Inzwischen ist das ein vertrauter Refrain: Die Zukunft des ethischen Konsums liegt im Smartphone, in der Google-Brille und all den anderen mobilen Geräten, mit denen wir Produkte scannen und Informationen einholen können, warum der Kauf gerade dieses Produkts sinnvoll ist (und die uns vielleicht sogar die Produzenten zeigen, die von unserer Entscheidung profitieren), und all unseren Freunden von unserer heroischen Konsumentscheidung berichten können!

          Solche Apps gibt es bereits. Mit GoodGuide etwa - der Werbeslogan lautet: „Kauf deine Werte. Jederzeit. Überall. Kostenlos!“ - kann man den Strichcode eines Produkts einscannen und gesundheitliche, ökologische und soziale Bewertungen von mehr als 120 000 Produkten abrufen. Und wer wirklich ethisch sein will, kann diese App auf sein Fairphone herunterladen - ein neues Smartphone, das sich als „konfliktfrei“ präsentiert und zu dessen Produktion nur solche Rohstoffe verwendet werden, „die unter menschenwürdigen Bedingungen abgebaut werden und nicht der Finanzierung von Armeen oder Kriegen dienen“.

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