https://www.faz.net/-gqz-ytm0

Sicherheit in der Atomkraft : Wir haben Dämonen geschaffen

  • -Aktualisiert am

Wo am Ende nur noch der Glaube hilft: Die Ikone in einem Trainingsgebäude eines ukrainischen Atomkraftwerks Bild: F.A.Z. - Andreas Mueller

Atomreaktoren werden gebaut, weil man von Utopien beseelt ist und die Gefahren verdrängt. Nach der Katastrophe blüht schon wieder ein fataler Optimismus auf. So will man uns glauben machen, mit Atomenergie sei das Klima zu retten.

          Die Diskussion um die Zukunft der Energieversorgung der Menschheit ist voll entbrannt, noch während die Zeitlupen-Katastrophe in Fukushima andauert. Es geht, wie in den letzten Jahrzehnten so oft, um die Frage, wie weit wir unseren Fähigkeiten bei der Nutzung einer hochriskanten Technologie tatsächlich trauen können. Aber es geht auch darum, welche ethischen Maßstäbe wir an unser kollektives Handeln anlegen.

          „Ohne Atomkraft werden wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen“ lautet das Mantra, mit dem Weiterbetrieb und Neubau von Reaktoren gerechtfertigt werden. Auch für Steward Brand ist dies das Kernargument seiner herablassenden Betrachtung der neuen deutschen Atomkraftablehnung (siehe Der amerikanische Umweltaktivist Stewart Brand: Ihr Deutschen steht allein da). Brand ist ein typischer Vertreter der Öko-Nuklearfreunde, die utilitaristisch Leben und Leiden aufrechnen. Mit extremem Technikoptimismus verschiebt er die Probleme der Atomtechnik und ihre Folgen auf künftige Generationen.

          „Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Erträge“, heißt es in Börsenprospekten. Natürlich schauen Investoren sich trotzdem an, was ein Unternehmen in der Vergangenheit geleistet hat. Um den Brandschen Optimismus einordnen zu können, müssen wir also einen Blick in die Geschichte der Atomtechnik werfen.

          Die hehren Ideale der jungen Atomwissenschaft

          Es war ein radikales Versprechen: Strom, der zu billig ist, um ihn noch abzurechnen. Energie, das Lebenselixier des modernen Lebens, sollte es endlich im Überfluss geben, genug für alle. Mit dieser Verheißung fing das zivile Atomzeitalter an. Die ungeheuren Energien, die in der Spaltung von Atomkernen liegen, waren schon für die Wissenschaftler, die sie als erste erkannten, ein Faszinosum ohne Beispiel. Mit dem Manhattan-Projekt einte ein faustischer Pakt Wissenschaft und Politik: Die Forscher und Ingenieure hatten die ungefesselte Sonnenglut in Bomben gegossen. Dafür standen ihnen fast unbegrenzte Ressourcen ihrer Nation zur Verfügung.

          Die Eliten der Physiker und Mathematiker, die ihren Ländern den Platz am globalpolitischen Spieltisch verschafften, waren nicht selten später von Gewissensbissen geplagt. Spätestens seit Hiroshima und Nagasaki gab es ein Bedürfnis nach einer Art karmischer Kompensation, einer Wiedergutmachung angesichts der unfasslichen Zerstörungskraft.

          Die unerschöpflich erscheinende Energie aus den gespaltenen Atomen schien ein angemessenes Geschenk der Wissenschaft an die Menschheit. Genug, sie auf die nächste Entwicklungsstufe zu katapultieren, heraus aus den zivilisatorischen Niederungen des Kalten Krieges um die beste Ideologie zur Verwaltung des materiellen Mangels. Eine technisch-wissenschaftliche Lösung für die ewigen Energie-Kalamitäten entsprach dem Zeitgeist, der zu den Sternen strebte.

          Wie immer, wenn eine Utopie in zu engen Kontakt mit der Realität gerät, mutierten auch die hehren Ideale der jungen Atomwissenschaft. Die allerersten Reaktoren waren brandgefährliche Unikate, optimiert auf ein klar militärisches Ziel: möglichst viel Bomben-Plutonium zu erbrüten. Die Wärme, die beim Zerfall von Atomkernen in großen Mengen entsteht, war dabei nur eine lästige Begleiterscheinung, die es möglichst effizient loszuwerden galt.

          Weitere Themen

          Ba-ba-ba-ba-Batman! Video-Seite öffnen

          Comic-Reihe wird 80 : Ba-ba-ba-ba-Batman!

          Wie in Gotham City wurde in Mexiko Stadt pünktlich um 8 Uhr abends das Batman-Symbol an ein Hochhaus geworfen. Viele Fans ließen sich das Spektakel zum 80. Geburtstag der Comic-Reihe nicht entgehen.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Bundesliga im Liveticker : 1:2 – Sancho steht völlig frei

          Nachdem Witsel das erste Tor für Borussia Dortmund selbst erzielt hatte, bereitet er nun Sanchos Treffer hübsch vor. Silva hatte für die Eintracht ausgeglichen. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.