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Show und Politik : Eine Singstimme weniger

Singt nicht für Schröder: Sasha Bild: dpa

Der Popstar Sasha, angeblicher Wahlhelfer Gerhard Schröders, singt dem Kanzler nun doch kein Ständchen.

          Eine Stimme weniger für Gerhard Schröder: Der deutsche Popstar Sasha wird den Wahlkampf des Kanzlers nun doch nicht musikalisch begleiten. Die Meldung des „Spiegel“, Sasha habe Schröder seine Unterstützung angeboten, lässt der Sänger auf seiner Homepage dementieren. Bei „dem ganzen Trubel“ um eine angebliche Wahlhilfe, heißt es dort, bleibe „nur eine Sache, die stimmt: nämlich der Aufruf an alle, die eine Stimme zum Wählen haben, diese auch zu nutzen“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei Sashas Management bekräftigt man gegenüber FAZ.NET, dass „Sasha für keine Partei im Wahlkampf auftreten wird“. Man könne sich, so eine Sprecherin, „keinen Reim darauf machen, wie es zu dieser unrecherchierten Geschichte im 'Spiegel' gekommen“ sei. Offensichtlich hat auch Sasha erkannt, dass es in seiner Branche nicht sehr populär ist, sich zu einer politischen Partei oder einem bestimmten Kandidaten zu bekennen - gerade wenn man, wie Sasha, vor allem über sehr junge und damit politisch leicht beeinflussbare Fans verfügt. Wer in den Höhen der schönen und makellosen Popwelt zu Hause ist, für den kann es schließlich nur rufschädigend sein, sich in die grauen Niederungen des Politischen zu begeben.

          Heidi Kabel für Schröder

          Dass die Distanzierung Sashas eher leise, weil lediglich auf der Homepage ausgesprochen wird, könnte Schröders Glück sein; so bleibt vielleicht doch beim einen oder anderen Bürger hängen, dass der Kanzler auch bei jungen Künstlern ankommt. Bislang nämlich erfreut sich Schröder der öffentlichen Zustimmung vor allem jener Kulturschaffenden, die schon Willy Brandt unterstützten. Wirbt seine Partei damit, dass Schröder wieder einmal den Austausch mit Künstlern suche, so trifft er sich meist mit Volker Schlöndorff, Jürgen Flimm und Günter Grass. Mit letzterem trat er kürzlich auch gemeinsam bei Biolek auf.

          Die Viva-Zuschauer erreicht Schröder damit nicht. Wohl auch nicht mit dem just ins Leben gerufenen Bündnis „Wir für Schröder“, dem auch Kulturschaffende angehören. Leider sind deren Namen nicht nur ziemlich erwartbar, sondern lassen auch die rechte Strahlkraft vermissen. Oder sollte es Schröder tatsächlich Stimmen bringen, dass er Drafi Deutscher hinter sich weiß, den nicht sehr bekannten Radiomoderator Ron Williams, den Hannoveraner Rocker Klaus Meine, die gute alte Heidi Kabel oder das nach seinem Ausstieg bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gänzlich in der Versenkung verschwundene Soap-Sternchen Claudia Weiske?

          Kulturmensch Stoiber

          So mager das Star-Aufgebot Schröders ist: Sein Herausforderer hat noch weniger zu bieten. Mit einem Mann, der nicht als hedonistischer Lebemann, sondern als harter Arbeiter gilt, vermag sich die Show- und Kulturbranche offenbar nicht zu identifizieren. Man denke gar nicht daran, so eine Mitarbeiterin der CSU-Wahlkampfzentrale, sich von Schröder unter Druck setzen zu lassen und seinerseits die Namen prominenter Stoiber-Sympathisanten zu veröffentlichen. Obgleich es solche natürlich gebe, zum Beispiel Anni Friesinger. Bei der freilich handelt es sich nicht um eine Künstlerin, sondern um eine Eisschnelläuferin.

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