https://www.faz.net/-gqz-7m9i1

Shirley Temple gestorben : Trauer um einen Kinderstar

  • Aktualisiert am

In den dreissiger Jahren trat Shirley Temple als populärster Kinderstar in mehr als zwanzig Filmen auf. Bild: AFP

Sie war schon als kleines Kind ein Hollywoodstar. Danach blieben ihr nur kleinere Rollen. Zum Tod der amerikanischen Schauspielerin und Politikerin Shirley Temple.

          2 Min.

          Die amerikanische Filmschauspielerin und spätere Politikerin Shirley Temple ist tot. Sie wurde 85 Jahre alt. Geboren wurde Temple am 23. April 1928 in Santa Monica in Kalifornien.

          Schon Anfang 1932 als noch nicht Vierjährige wurde sie in einer Tanzschule von einem Hollywood-Talentsucher entdeckt. Sie trat zunächst in einaktigen „Baby Burlesks“ auf, Parodien, in denen Storys von bekannten Filmen wie „The Front Page“, „What Price Glory?“ von Kindern nachgespielt wurden.

          Im Jahr 1934 erhielt sie ihre erste Hauptrolle in „Stand Up and Cheer“ und sang sich, noch vor Erscheinen des Films von der 20th Century-Fox für sieben Jahre unter Vertrag genommen, mit dem Titel „Baby Take a Bow“ in die Herzen von Millionen. Ihre überaus ehrgeizige Mutter trimmte sie danach systematisch auf Erfolg. Shirley Temple, ein naseweiser Lockenkopf, der mit umwerfender Unbefangenheit vor der Kamera agierte, trat in der Folge in 24 Filmen auf. Dem Studie brachten sie schließlich einen Bruttogewinn von rund 30 Millionen Dollar ein.

          Von 1935 bis 1938 war Temple Hollywoods zugkräftigster Kassenstar, 1937 hatte sie das siebthöchste Jahreseinkommen (über 300.000 Dollar) in den Vereinigten Staaten erreicht. Darüber hinaus brachte die Verwendung ihres Namens im Merchandising (Puppen, Haarmittel, Seife, Comics) der Familie in 10 Tagen jeweils über 10.000 Dollar. 1936 wurde in New York sogar ein neuer Wolkenkratzer nach ihr benannt („Shirley-Temple-Building“).

          Eine Unterstützerin Richard Nixons

          Temples Popularität überlebte die Depression der dreißiger Jahre nicht lange. Bereits als Teenager war sie als Schauspielerin nicht mehr gefragt, das kleine, charmante Mädchen mit den Grübchen wurde erwachsen und ließ sich nicht mehr vermarkten. Nach Abschluss eines Vertrages mit Produzent David O. Selznik versuchte sie 1943 ein offizielles Comeback. Sechs Jahre später beendete sie 21-jährig nach einigen weiteren - für sie nicht sehr erfolgreichen - Filmen wie „Fort Apache“ mit John Wayne und Henry Fonda oder „The Bachelor and the Bobby Soxer“ ihre Filmkarriere, verließ Hollywood und zog sich zunächst nach Hawaii zurück. Im amerikanischen Fernsehen trat sie noch als Erzählerin und zwischen 1957 und 1960 auch in den Serien „Shirley Temple Storybook“ wie in eigenen TV-Shows auf, beendete dann aber endgültig ihre Laufbahn im Showbusiness.

          Der lockige Kinderstar sorgte während der amerikanischen Wirtschaftsdepression für etwas Fröhlichkeit bei den Kinobesuchern

          Im Anschluss daran übernahm Temple zahlreiche wohltätige Aufgaben und baute langsam eine zweite Karriere in der Politik auf. Nach erfolgloser Kandidatur für das Repräsentantenhaus im Herbst 1967, die nicht zuletzt an ihrer Forderung scheiterte, den Vietnamkrieg allein den Militärs zu überlassen, fungierte die aktive Republikanerin 1968 als Wahlhelferin von Richard Nixon. Nach seiner Wahl zum Präsidenten 1969 bestellte er Temple zur amerikanischen Delegierten in der UN-Vollversammlung. Im Juni 1972 vertrat sie die Vereinigten Staaten bei der internationalen Umweltkonferenz in Stockholm und wurde Ende 1972 Sonderassistentin des Vorsitzenden der amerikanischen Umweltbehörde. Von diesem Posten trat sie im Januar 1974 ohne Angabe von Gründen zurück. Im August 1974 wurde sie von Präsident Gerald Ford als Botschafterin nach Ghana entsandt. Dort konnte die Diplomatin bis 1976 viel Sympathie erringen. 1981 war Temple in Genf Mitglied der amerikanischen Delegation für Flüchtlingsprobleme in Afrika.

          Präsident Ford machte sie danach zur Protokollchefin im Weißen Haus. In dieser Funktion bildete sie zwölf Jahre lang im Auftrag des State Department amerikanische Diplomaten aus. Als sie schließlich im Sommer 1989 wieder selbst auf das internationale diplomatische Parkett zurückkam und von Präsident George Bush zur Botschafterin in der Tschechoslowakei ernannt wurde, hinterließ sie ihrem Nachfolger in Washington eine bis dahin einmalige schriftliche Sammlung der Benimmregeln in der internationalen Diplomatie.

          In der Tschechoslowakei erlebte sie den Demokratisierungsprozess des Landes unter Präsident Václav Havel, den sie zu ihren Freunden zählt. Nach der Niederlage von Präsident George Bush bei den Präsidentschaftswahlen 1992 wurde das diplomatische Korps ausgewechselt, Temple verließ Prag und beendete ihre Diplomatenlaufbahn.

          Nach Medienberichten ist die Filmschauspielerin und Politikerin im Alter von 85 Jahren im kalifornischen Woodside gestorben.

          Weitere Themen

          Weltloses Melodrama Video-Seite öffnen

          Filmkritik „The Kindness of Strangers“ : Weltloses Melodrama

          Die dänische Regisseurin Lone Scherfig hat mit ihrem neusten Film ein unrealistisches Melodrama entworfen, findet F.A.Z.-Redakteur Andreas Kilb. Warum sich ein Besuch im Kino trotzdem lohnt, verrät die Videofilmkritik.

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke Marie“

          An ihrer Stimme kam in den 90er Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.